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Wikipedia in der Investor-Relations-Kommunikation

Wikipedia gehört weltweit zu den 10 wichtigsten Internetadressen und die deutschsprachige Version ist mit über 1,3 Millionen Artikeln die zweitgrößte (hinter der englischsprachigen Version). Beim diesjährigen DIRK Stimmungsbarometer Frühjahr 2011 gaben ganze 21,8% der börsennotierten Unternehmen an, derzeit Wikis in ihrer Investor-Relations-Arbeit einzusetzen. Diese Zahl ist erstaunlich, liegt sie doch an vorderster Position der gesamten Social-Media-Nutzung für IR-Inhalte – vor den Anwendungen Microblogging (20,8%), Soziale Netzwerke (20,8%) und Video sharing (14,9%).

Jede fünfte IR-Abteilung nutzt Social-Media-Anwendungen

Wiki = Wikipedia?
Sobald man eine Analyse der erhobenen Daten zur Wiki-Nutzung in den IR beginnt, wird es kompliziert, da nicht eindeutig ist, ob die Nutzung eines internen oder externen Wikis gemeint ist. Wikis können mächtige Werkzeuge der internen Kommunikation darstellen, wenn sie richtig in das Intranet des Unternehmens eingebettet und die Mitarbeiter entsprechend in der Nutzung geschult sind. Da die Frage des DIRK jedoch lautete „In welchen Anwendungen sind Sie als Investor-Relations-Abteilung mit einer eigenen Präsenz oder gezielten Maßnahmen derzeit aktiv“, haben vermutlich die meisten Befragten in Bezug auf externe Wikis geantwortet. Auch dort gibt es hunderte verschiedene Wiki-Plattformen die auf unterschiedlichste Wissensbereiche spezialisiert sind. Wikinvest beispielsweise ist ein großes und beliebtes Wiki, das sich ausschließlich um Unternehmen und Aktien dreht. In Deutschland ist Wikipedia jedoch mit Abstand das größte und bekannteste Wiki. Es ist davon auszugehen, dass diese freie Enzyklopädie gemeint ist.

Wikis im Social-Media-Prisma

Wikis im Social-Media-Prisma

Nutzt die Financial Community Wikipedia?
73% aller Internetnutzer und damit vermutlich ein Großteil der privaten Investoren nutzen regelmäßig oder zumindest gelegentlich Wikipedia. Aber auch Wirtschaftsjournalisten und Analysten steigen für eine Recherche oftmals in Wikipedia ein: Sie ermöglicht einen schnellen, aktuellen und neutralen Überblick und bietet Hinweise sowie Links zur weiteren Recherche – sofern der entsprechende Artikel gut gepflegt ist.

Wie IR-Abteilungen Wikipedia nutzen können
Wikipedia hält über Unternehmen in DAX, MDAX, SDAX und TecDAX umfassende Informationen bereit, wobei sich die Güte der Artikel zu den einzelnen Unternehmen deutlich unterscheidet. Hier können kleinere Indices von den DAX-30-Unternehmen lernen, die im Schnitt über die ausführlichsten und am besten gepflegten Artikel verfügen.

Innerhalb der Artikel wird der allgemeine Trend offensichtlich, dass sich die Bereiche IR und PR immer mehr annähern und teilweise sogar verschmelzen: Allgemeine Informationen zum Unternehmen und seiner Geschichte verschwimmen hier mit Standorten, aktuellen Projekten, der Equity Story, der Aktionärsstruktur und Geschäftszahlen. Die Bandbreite der Unternehmens-Artikel reicht dabei von einer „Minimalversion“ mit wenigen Informationen (z. B. ElringKlinger AG) bis hin zu riesigen Artikeln, die neben der Konzernstruktur auch die Unternehmensphilosophie darstellen sowie auf Produktportfolio, Forschung, Umwelt- und Verbraucherschutz eingehen (z. B. BASF SE). Interessant sind auch die Darstellungen aktueller Großprojekte (z. B. bei der Bilfinger Berger SE) oder spezieller Situationen des Unternehmens (wie beispielsweise bei der Continantal AG).

Wikipedia - Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe

Präsenz und Suchmaschinenoptimierung durch Wikipedia
Dadurch, dass Google Wikipedia-Seiten meist auf den vordersten Positionen der Trefferliste anzeigt, sind Inhalte der Wikipedia im Internet sehr präsent. Links, die aus Wikipedia heraus auf Internetadressen zeigen, sind aufgrund der hohen Relevanz der Seite wertvoll wie „Goldstaub“ für die Suchmaschinenoptimierung. Unternehmen, die Wikipedia für ihre IR-Inhalte zu nutzen wissen, können ihre Präsenz also nicht nur in der Financial Community, sondern gleichzeitig für die Suchmaschinen steigern, sofern sie auf ihre IR-Webseite verlinken.

Wikis stellen aufgrund ihrer Funktionsweise der massenhaften Kollaboration verteilter Nutzer regelrechte „Gallionsfiguren“ von Social-Media-Anwendungen dar, jedoch sind sie für eine direkte Interaktion zwischen Unternehmen und Nutzern kaum geeignet. So kann sich das Unternehmen in Wikipedia zwar präsentieren, jedoch nicht aktuell informieren oder gar in einen Dialog einsteigen.

Wikipedia-in-den-IR

Stolpersteine bei der Nutzung
Einer der Gründe, wieso Wikipedia so beliebt und erfolgreich ist, ist der, dass Unternehmen sich dort nicht so darstellen können, wie sie sich selbst sehen, sondern von der Wikipedia-Community weitgehend objektiv beschrieben werden. Nahezu jeder Unternehmens-Artikel beinhaltet auch die Rubrik „Kritik“. Zwar kann ein IR-Manager jederzeit und ohne Anmeldung einen Wikipedia-Artikel nach seinen Wünschen verändern, doch wird diese Änderung nicht von Dauer sein (So höre ich immer noch von Unternehmen, die ihre Imagebroschüre mehr oder weniger  eins zu eins dort eingepflegt und sich am Tag darauf gewundert haben).

Artikel werden im Normalfall nur Abschnitt für Abschnitt geändert und Unternehmen sollten beispielsweise in den Artikel-Diskussionen immer wieder aktuelles Material und neutrale Fakten anbieten, die der lexikalischen Natur der Wikipedia gerecht werden. Zudem werden Änderungen durch bekannte Nutzer mit eigener Benutzerseite eher akzeptiert, als anonyme Editierungen. Wikipedia in der Investor-Relations-Kommunikation ist also ein längerfristiges Projekt. Unternehmen haben in der Wikipedia nicht mehr und nicht weniger Rechte, als jeder andere Internetnutzer auch.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 30. Juli 2011 | Abgelegt unter Best-Practice,Investor Relations,Social Media,Wikipedia | 1 Kommentar

Web 2.0 Anlegerplattformen in den USA

Was sich in Deutschland mit sharewise zu etablieren beginnt, boomt bereits seit einiger Zeit in den USA: Online-Anlegerplattformen, also „social investing“ Webcommunites für Investoren und andere Aktieninteressierte. Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick geben über die Portale Wikinvest, Covestor und Wealthfront (ehemals kaChing).

Web 2.0 Anlegerplattformen in den USA - Wikinvest

Wikinvest
Die kostenlose Social Media Plattform Wikinvest ist, wonach sie sich anhört – ein Wiki zum Investieren. Die Idee dahinter beruht Web 2.0 typisch auf Schwarm-Intelligenz (Weisheit der Vielen). Wie beim Vorbild Wikipedia können sowohl registrierte User als auch Gäste Artikel über Unternehmen und Anlagen schreiben und verändern. Obwohl es ein Prüfsystem mit Sichtung durch Administratoren gibt, kann es wie in jedem Wiki-System daher auch zu manipulierten oder fehlerhaften Einträgen kommen. Wikinvest hofft, sich durch aktive Teilnehmer („Prosumer“) eine Internet Nische für Investitionstätigkeit erobern zu können und ist damit recht erfolgreich. Pro Monat besuchen laut compete.com ca. 300.000 unique visitors die Seite, wobei die Tendenz jedoch momentan fällt. Wikinvest besitzt ca. 10.000 registrierte Benutzer, was für US-amerikanische Unternehmen anscheinend so relevant ist, dass sie sich aktiv um eine optimale Eigendarstellung auf der Plattform bemühen.

Covestor
Covestor ist ein bei der US-Börsenaufsicht SEC (Security and Exchange Commission) registrierter Investment Advisor, der für reale Transaktionen reale Gebühren erhebt. Aktienportfolios können direkt an Eigenkapital-Konten der registrierten Mitglieder gebunden werden (beispielsweise eTrade, Scottrade, etc.). Diese können so unter anderem auch automatisiert Transaktionen erfolgreicher Investoren nachvollziehen. Die Plattform bietet darüber hinaus ein Ranking der Top Performer und ein Blog. Pro Monat besuchen laut compete.com ca. 30.000 unique visitors Covestor.

Web 2.0 Anlegerplattformen in den USA - covestor

 

Wealthfront (ehemals kaChing)
Am 19. Oktober 2010 benannte sich das 2007 gegründete Investorenportal kaChing in Wealthfront um (was deutlich seriöser klingt). Zu diesem Zeitpunkt wurden auch einige Funktionalitäten eingeführt, die den „Finanzinformation-Suchmaschinencharakter“ ändern sollten, hin zu einer Social Media Empfehlungsplattform. Auch Wealthfront ist bei der SEC registriert. Auch hier wird mit echten Werten gehandelt, wobei sich die Benutzer ebenfalls an den Empfehlungen von professionellen Aktienmanagern orientieren können. Neben Onlinemedien berichteten in den USA auch Nachrichtenagenturen und große Zeitungen über das Portal und seine Funktionsweise. Compete.com beziffert die eindeutigen Besucher der Webseite pro Monat mit lediglich 3.000, was ein sehr geringer Wert wäre. Es ist schwer zu sagen, wie es um die Community steht, der Wealthfront Blog wird jedoch aktuell gepflegt.

Diese drei Portale sind nur ein kleiner Ausschnitt des social investing in den USA. Weitere bekannte Plattformen sind beispielsweise das mächtige Seeking Alpha oder das Twitter basierte StockTwits. Die Schwerpunkte der Plattformen sind dabei unterschiedlich gelegt: Interaktionsgrad, Anlagehorizont sowie Informationsmenge und –herkunft unterscheiden sich erheblich und können hier nicht ausführlich dargestellt werden.

Marktvolumen für Internet-Anlegerplattformen in den USA
Fast alle Plattformen dieser Art wurden 2007 gegründet und verfügen über eine starke Einbindung von Social Media-Elementen wie Twitter und Facebook. Über das US-Marktvolumen privater Kleinanleger, die selbstständig über das Internet handeln, schreibt techcrunch.com Ende 2010:

“There are 33 million households who collectively invest $7 trillion in the stock market in the “mass affluent” segment of the market Wealthfront is targeting, or people with liquid net worths of between $100,000 and $1.5 million.”

Auswirkungen des social investing auf die Investor Relations
Ich denke, dass es für Investor Relations Manager auch hierzulande wichtig ist, diese Trends und Entwicklungen zu verfolgen und insbesondere die immer stärker werdende Komponente des social investing nicht zu ignorieren. Portale dieser Art nehmen für Private Investoren die Rolle eines Hubs und gleichzeitig Gatekeepers ein. Was andere Investoren (seien es institutionelle oder private) über ein Unternehmen und seine Bewertung denken, wird durch Social Media zunehmend transparenter und für jeden zugänglich. IR Abteilungen sollten daher zumindest in der Lage sein, durch Monitoring entsprechender relevanter Kanäle einen aktuellen Überblick über die Beurteilung des eigenen Unternehmens zu gewinnen. Die Zahl von veröffentlichten Meinungen, Einschätzungen und Empfehlungen, die nicht vom Unternehmen selbst stammen, werden in Zukunft vermutlich rasant ansteigen.

Überspitzt könnte man sagen: Für IR-Manger entsteht zunehmende Komplexität, wenn sie nicht mehr die alleinigen „Verlautbarer“ sind (oder im intimen Kreis einer Analystenkonferenz Fragen beantworten), sondern wenn der Dialog mit dem und über das Unternehmen weltweit eröffnet wird.

Was sagen Sie?

 

Geschrieben von Andreas Köster am 11. März 2011 | Abgelegt unter Finanzkommunikation,Online Investor Relations,Social Media | 2 Kommentare