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Web 2.0 interessant für Privatanleger

Heute sind die Ergebnisse einer repräsentativen, telefonischen Umfrage (n=1072) von TNS Infratest im Auftrag der DZ BANK veröffentlicht worden. Die Stichprobe  ist repräsentativ für „anlage-affine Personen“ in der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahren. Dabei wurde erhoben welche Informationsquellen von Privatanlegern derzeit genutzt werden um sich über das Thema Geldanlage zu informieren, wie diese im Allgemeinen Social-Community-Plattformen beurteilen und nutzen, sowie bei welchen Themen sie auf einen Rat aus einem sozialen Netzwerk vertrauen.

Scheinbar wenig Relevanz für private Anleger
Laut der Kurz-Umfrage vertrauen lediglich 15 Prozent der Privatanleger einem Rat zum Thema Geldanlage im Web 2.0 und lediglich 10 Prozent nutzen derzeit Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter, um sich über das Thema Geldanlage zu informieren. Dagegen informieren sich 72% über Tageszeitungen und 71% beim Anlageberater ihres Vertrauens. Die DZ Bank schließt daraus kurzerhand: „Web 2.0 ist für die Privatanleger kein Thema“.

Diese Einschätzung mag sich in den Ohren von Banken zunächst beruhigend anhören, ist es für sie doch von großer Bedeutung, den Kunden durch den Bankberater vor Ort „intensiv“ und ungestört über die Anlageprodukte aus dem eigenen Haus informieren zu können. Dagegen würde Ich die Studienergebnisse etwas anders interpretieren:

Kunden vertrauen ihrem sozialen Netzwerk und der Unternehmenswebseite
Laut Studie nutzen 57% der Befragten Freunde, Bekannte oder Verwandte um sich über Geldanalgen zu informieren. Das sind jedoch genau die Personen, mit denen laut ARD/ZDF Onlinestudie 2011 39% aller Onliner regelmäßig und 46% zumindest gelegentlich alleine in den Social Networks kommunizieren. Die Internetseiten der Banken und Finanzdienstleister werden von 53% der Befragten zur Informationssuche benutzt. Nach meinem Verständnis sind Social-Media-Präsenzen von Unternehmen ebenfalls als Internetpräsenz oder zumindest deren Erweiterung zu verstehen (Die Inhalte und Links dort haben ihren Ursprung jedenfalls häufig auf der Internetseite). Ebenso verhält es sich mit Webseiten von Verlagen und Nachrichtenseiten, die für 43% der Privatanleger relevant sind.

Informationsquellen zum Thema Geldanalge

Sind Foren kein Social Media?
Reine Anlageportale wie Onvista.de und Finanzen.net nutzen 14% der anlage-affinen Personen laut Studie zur Informationsbeschaffung. Jedoch bestehen bei genauerem Hinsehen die Hälfte der großen deutschen Online Börsen- und Finanzportale zu weiten Teilen aus Foren. Finanzen.net beispielsweise, mit einer Netto-Reichweite von 1,5 Mio Unique User je Durchschnittsmonat, betreibt eines der größten Foren überhaupt und setzt damit auf User-Generated-Content.

Dass Foren als quasi Urväter des Social Web in der Studie nicht zum Web 2.0 gezählt werden, bringt mich zu einem weiteren Kritikpunkt: Social Media wird meiner Meinung nach immer noch zu unspezifisch als großer „Buzz-Klumpen“ in das Gespräch geworfen. Natürlich immer mit dem erklärenden Zusatz „Das ist Facebook und Twitter und so…“ So trennt die Studie zwischen „Internet“ und „Social Media“ und ignoriert, dass das Internet bereits zum Großteil aus Social-Media-Anwendungen besteht. Zwischen diesen Anwendungen bestehen abgesehen von der partizipativen und sozialen Grundstruktur keine zwingenden Gemeinsamkeiten, weshalb sie  kaum als Einheit betrachtet oder gar untersucht werden können (auch wenn das so schön einfach ist). So stellen beispielsweise Video-Plattformen gänzlich andere Informationsmöglichkeiten als Social Bookmarking etc. Trotz dieser Ungenauigkeiten geben 10% aller Befragten an, Facebook und Twitter bereits als Informationsquelle zu nutzen. Dies ist erstaunlich vor dem Hintergrund, dass in Facebook bislang so gut wie keine ansprechend aufbereiteten Anlage-Informationen zu finden sind und Twitter überhaupt nur 3% der Bevölkerung nutzen.

Potenziale des Web 2.0 können Unternehmen für Privatanleger nutzen
Am deutlichsten werden die Potenziale des Web 2.0 bei der Einschätzung durch die Befragten. 75% glauben, dass die Nutzung von Plattformen, wo Anleger sich in Sachen Geldanlage austauschen und diskutieren, steigen wird. Für 27% sind diese Plattformen bereits heute eine interessante Informationsquelle. Die Nutzer vertrauen dabei insbesondere Inhalten, die vom Unternehmen selbst kommen: 53% der Befragten sind der Meinung, dass Internetseiten von Finanzdienstleistern für Anleger eine hilfreichere Informationsquelle als soziale Netzwerke sind. Geht man von sozialen Netzwerken als Erweiterung der Internetpräsenz aus, ergibt sich diese Einschätzung meiner Meinung nach jedoch aus der Tatsache, dass sich die Finanzdienstleister aus diesen Netzwerken fernhalten und dort nicht mit ihren Informationen präsent sind. Generell wären laut Studie diese Plattformen bereits heute für jeden Dritten (27%) als Informationsquelle interessant! Das ist ein beachtlicher Wert. Wenn man bedenkt, wie viele Social-Media-Manger derzeit auf zehntausende Bankberater in den Filialen vor Ort kommen, muss man sagen, die Potenziale werden in weiten Teilen unterschätzt und nicht genutzt. Die Banken sollten also „aus den Puschen kommen“, wie man in Berlin sagt.

Informations-Plattformen im Web 2.0

Viele Fragen für die Investor Relations
Da die Studie offen lässt, um welche Art von Geldanlagen es im Speziellen geht, können kaum Ableitungen für die Investor Relations gezogen werden. Sofern es bei Anlagen jedoch um Unternehmensaktien und nicht um Gold oder festverzinsliche Wertpapiere geht, sollten IR-Manager die Studie nutzen, um zu überprüfen, wie sie das ihrem Unternehmen offenbar entgegengebrachte Vertrauen dort nutzen können, wo sich die Kunden aufhalten und Geld ausgeben: Im Web 2.0.

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Quelle: presseportal.de

Geschrieben von Andreas Köster am 14. Juli 2011 | Abgelegt unter Aktuelles,Facebook,Social Media,Studien,Twitter | 3 Kommentare