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Studie: Twitter reduziert durch Verbreitung von Unternehmensinformationen die Informationsasymmetrie

Informationsasymmetrie an Kapitalmärkten führt zu Unsicherheitsaufschlägen, steigenden Transaktionskosten und reduziert die Handels-Liquidität am Markt. Kurz: Sie erhöht die Kapitalkosten für Unternehmen. Die Investor Relations Fachliteratur legt zu Grunde, dass Unternehmenspublizität der Informationsasymmetrie entgegenwirkt. Dabei geht sie jedoch häufig von idealen Informationsbedingungen aus, unter denen Informationen, sobald sie veröffentlicht wurden, sämtlichen Investoren gleichermaßen zur Verfügung stehen. Dies ist in der Praxis nicht der Fall. Es kommt vielmehr darauf an, eine möglichst große Verbreitung der Unternehmensinformationen zu erreichen.

Neue Möglichkeiten durch Internet und Web 2.0
Bis vor wenigen Jahren hatten Unternehmen keine direkten Kommunikationskanäle, mit denen sie die Masse an Investoren regelmäßig und ohne Zeitverzögerung selbst erreichen konnten. Sie waren auf klassische Informationsmittler bzw. Multiplikatoren wie die Presse angewiesen, welche die Informationen verbreiteten. Dies hat sich durch Online Investor Relations und insbesondere durch das Web 2.0 geändert.

Im Mai 2011 wurde die wegweisende Studie “Firm Dissemination, Direct-Access Information Technology and Information Asymmetry” an der University of Michigan veröffentlicht, auf die mich netter Weise Christian Fieseler auf der DIRK-Konferenz aufmerksam machte. Diese Studie untersuchte von 2008 bis 2009 insgesamt 141 Technologieunternehmen in den USA, wovon zum Ende der Untersuchung 102 Unternehmen einen aktiven Twitteraccount besaßen, über den Unternehmensinformationen getwittert wurden. Der Anteil der Unternehmen, die IR-Mitteilungen twitterten wuchs über den Untersuchungszeitraum rasant an. Twitter wird als “direct-access information technologie” (DAIT) betrachtet, die eine zusätzliche Push-Kommunikation mit Investoren ermöglicht und als weiterer Kommunikationskanal zur Verbreitung von Unternehmensinformationen genutzt werden kann.[1]

Anzahl der twitternden Unternehmen

Anzahl der twitternden Unternehmen

Investoren über Twitter direkt erreichen
Die Studie zeigt, dass IR-Manager Twitter nutzen können, um zwischengeschaltete Multiplikatoren zu umgehen (“bypass the middleman“) und eine größere Menge an Investoren direkt zu erreichen. Dabei wurde erstmalig empirisch nachgewiesen, dass die Informationsverbreitung über Twitter insbesondere für kleine Unternehmen zu einer sinkenden Informationsasymmetrie und geringerem Bid-Ask-Spread führt:[2]

“Using a sample of technology firms, we find that managerial dissemination of firm-initiated news via Twitter is associated with lower bid-ask spreads and greater depths, consistent with a reduction in information asymmetry.”

Die Studie gibt klare Handlungsempfehlungen, wie gerade Unternehmen mit geringer medialer Präsenz ihre Sichtbarkeit effizient steigern können:

“We predict that DAITs should play a larger role in reducing information asymmetry for firms that are not highly visible by allowing these firms to reach a broader set of investors. That is, investors generally have low-cost access to information for highly visible firms, since these firms tend to receive broad news coverage. As such, the value of a new dissemination channel is limited for highly visible firms. In contrast, lower visibility firms tend to receive less coverage through traditional channels, resulting in increased investor information acquisition costs, and thus information asymmetry among investors. Therefore, a new channel can have much greater value for lower visibility firms.”

Social Media kann Informationsgefälle in IR verringern
Durch diese Studie sehe ich meine These bestätigt, dass Social Media durch Information die Zielerreichung der Investor Relations unterstützen kann. Auf der Ebene der reinen Information (nicht des Dialoges) ist die zu erwartende Effizienz dabei besonders hoch, da bereits im Unternehmen erstellte und aufbereitete Informationen praktisch ohne Mehraufwand, automatisiert in Social Media Kanäle übertragen werden können. Dies zeigt eindrucksvoll die IR-Agentur Q4 Websystems („Q4 Integrates StockTwits and Expands Real-Time Social Distribution“).

Firm Dissemination, Direct-Access Information Technology and Information Asymmetry – By Elizabeth Blankespo…

 


[1] Push-Kommunikation (aus Unternehmensperspektive werden Informationen aktiv zum Empfänger „gedrückt“) funktioniert besonders gut über elektronische Medien wie dem Internet, da Investoren die Informationen nicht aktiv anfordern müssen (Pull-Kommunikation), sondern quasi gebracht bekommen.

[2] Große Unternehmen profitieren grundsätzlich von einer hohen Sichtbarkeit und Visibilität durch mediale Aufmerksamkeit.

Der Bid-Ask-Spread ist eine Kennziffer aus dem Wertpapierbereich und beschreibt die Differenz zwischen Kaufpreis (Bid) und dem Verkaufspreis (Ask) einer Aktie. Es bezeichnet also den Unterschied zwischen dem höchsten Preis, den ein Käufer bereit ist zu zahlen, und dem niedrigsten Preis, zu dem ein Verkäufer bereit ist, zu verkaufen. Ein hoher Bid-Ask-Spread deutet auf Informationsasymmetrie hin, da die Wertvorstellungen weit auseinander gehen.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 8. Juni 2011 | Abgelegt unter Online Investor Relations,Quellen,Studien,Twitter | Keine Kommentare