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Social Media kann Kontexte für Investoren bieten

Die Selbstreferenzialität der Investor Relations in Deutschland ist sehr hoch. Bedingt durch die verpflichtende, rein auf das Unternehmen bezogene Pflichtpublizität kommen Informationen, die sich auf die Umwelteinflüsse, von denen das Unternehmen bekannter Maßen erheblich abhängig ist, häufig zu kurz. Statische Unternehmensdarstellungen auf der IR-Webseite und reglementierte Ad-hoc-Meldungen scheinen nicht die passenden Instrumente zu sein, um aktuelle Entwicklungen beispielsweise der Branche, der konjunkturellen Lage oder tagesaktueller Geschehnisse zu kommentieren.

Meine These besagt, dass sich im Zuge der Informations-Funktion von Social Media in den Investor Relations das Web 2.0 dazu eignen kann, Investoren zusätzliche Kontexte zu bieten.

Die Financial Community ist bei sämtlichen Geschehnissen und Entwicklungen in Wirtschaft und Politik daran interessiert, eventuelle Auswirkungen auf das Geschäft des Unternehmens abschätzen zu können, in das sie investiert haben. Dies gilt insbesondere für Zielgruppen wie privaten Investoren, die allgemein über eine geringere Analysetiefe und weniger Branchenwissen verfügen.

Unternehmen sind daher gut beraten, wenn sie sich zeitnah über geeignete Kanäle zu relevanten Ereignissen äußern und deren Interpretation bezogen auf die Geschäftsentwicklung nicht völlig unbeeinflusst den Teilöffentlichkeiten und Meinungsmachern im Internet überlassen, bzw. darauf warten, dass Multiplikatoren klassischer Massenmedien die Thematik bearbeiten.

„Kommunikatoren müssen sicherstellen, dass unternehmensrelevante Informationen möglichst rasch analysiert, kommentiert und verarbeitet werden. Ein permanentes Monitoring ist dabei unabdingbar.“[1]

Da die Beobachtung, Analyse und Einschätzung externer Entwicklungen ohnehin einen Großteil der Investor Relations Arbeit ausmacht, ist es sinnvoll, die Anteilseigner, wenn auch nur kurz, über die Ergebnisse dieser Arbeit zu informieren. Ein Beispiel dafür, welchen Anlass Unternehmen für ihr Geschäft kontextualisieren könnten, ist das verheerende Erbeben und der Tsunami in der Region Japan in Frühjahr 2011. Aus nüchterner Investorensicht stellt sich sofort die Frage, ob Standorte des Unternehmens betroffen sind und ob die Produktion eingeschränkt oder gefährdet ist. Auch fällt es schwer, die längerfristigen Folgen für das Unternehmen abzuschätzen. Private Investoren suchen nach Einschätzungen, ob mit stark negativen Folgen, geringen Auswirkungen oder gar mit positiven Effekten für den Unternehmenswert zu rechnen ist. Die IR-Abteilung selbst weiß dies am Besten. Kurze Informationen und Einschätzungen (Prognosen) können mit geringem Aufwand, in Echtzeit, kostenlos über Social Media verbreitet werden. Sie demonstrieren Kompetenz und schnelles Reaktionsvermögen. Selbst wenn der eigentliche Informationsgehalt beispielsweise eines Posts oder Tweets gering ist, so zeigt dieser doch zumindest öffentlich, dass das Unternehmen die Entwicklungen aktiv beobachtet und in sein Handeln mit einbezieht.

Ausschnitt der BASF Facebook-Pinnwand

Ausschnitt der BASF Facebook-Pinnwand

Es ist anzunehmen, dass ein solches proaktives, öffentliches Thematisieren und Kontextualisieren, bevor das Unternehmen mit individuellen Anfragen besorgter Investoren überhäuft wird, das Vertrauen in die IR-Arbeit erhöht.

 


[1] Beißwenger, Achim (Hrsg.): YouTube und seine Kinder, 1. Auflage, Nomos Verlag, Baden-Baden 2010, ISBN 978-3-8329-5241-9, S. 27.

Geschrieben von Andreas Köster am 1. Juni 2011 | Abgelegt unter Facebook,Investor Relations,Social Media | 1 Kommentar