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Empirische Studie zur Social-Media-Nutzung in den Investor Relations

Die Studie „Investor relations 2.0 – An international benchmark study“ von Kristin Köhler (Universität Leipzig) bietet eine umfassende Online-Analyse der 30 größten börsennotierten Unternehmen aus Deutschland (DAX), den USA, (DJIA), dem Vereinigten Königreich (FTSE), Frankreich (CAC) und Japan (Nikkei). Zusätzlich dokumentiert sie das IR-2.0-Engagement der DAX-Neben-Indices MDAX, TecDAX und SDAX. Die Studie baut auf der in 2010 von Köhler veröffentlichten Untersuchung „Investor Relations und Social Media: Benchmarkstudie zur Praxis der Finanzkommunikation im Web 2.0 bei börsennotierten Unternehmen in Deutschland“ auf.

Umfassendes Datenmaterial
Kristin Köhler hat als Expertin für Social Media in den Investor Relations eine bemerkenswert breite Datenerhebung (Dezember 2010 bis Mai 2011) und tiefe Analyse vorgenommen, um den Status quo der internationalen Social-Media-Nutzung in den IR abzubilden. Von 280 Unternehmen wurden sowohl sämtliche internen Social-Media-Kanäle und -Inhalte auf der IR-Webseite erhoben, als auch die Kanäle und Inhalte der externen Plattformen Twitter, YouTube, Slideshare, Facebook, Flickr und LinkedIn.

 

95 Prozent der Unternehmen nutzen Social Media auf ihrer IR-Webseite
Bis auf Ausnahmen nutzen sämtliche Unternehmen mindestens eine Social-Media-Anwendung auf ihrer eigenen IR-Webseite. Diese Erkenntnis verwundert im ersten Moment, bis man sich anschaut, wie diese Anwendungen definiert sind. So handelt es sich zum Großteil um weniger innovative Techniken, wie RSS-Feeds, Webcasts und Videocasts. Diese sind zwar informativ jedoch weniger dialogisch. Weitere Anwendungen sind Podcasts, Share-Buttons oder Blogs. Podcasts sind die einzige Anwendungsart, deren Nutzung im letzten Jahr nicht zu- sondern abgenommen hat.

interne-IR-Anwendungen

Quelle: http://www.slideshare.net/KKristin

Aktivitäten auf externen Social-Media-Plattformen
Es ist festzustellen, dass immer mehr Unternehmen zu ihrem IR-2.0-Engagement stehen und von ihrer Webseite auch auf externe Plattformen verlinken. Auf externen Plattformen sind aktuell 17 der 30 DAX-Unternehmen mit IR-Inhalten aktiv. Dabei ist anzumerken, dass nur ein Teil der Unternehmen einen speziellen IR-Kanal für diese Aktivität betreibt. Meist werden für IR relevante Inhalte allgemeine externe Kanäle genutzt. Die beliebtesten Anwendungen der IR-Abteilungen sind derzeit Twitter (14 aktive Unternehmen), YouTube (11), Facebook (7) und SlideShare (4).

externe-IR-Anwendungen

Quelle: http://www.slideshare.net/KKristin

Inhaltlich sind die Themen Finanzkennzahlen, Corporate Social Responsibility (CSR) sowie Sonstiges am häufigsten gemessen worden. Es scheint also eine Mischung aus der zusätzlichen Verbreitung von Pflichtinhalten und erweiterter freiwilliger Kommunikation vorzuliegen.

Business-to-Business Unternehmen aktiver in der Finanzkommunikation
Überraschend wurde in der Studie herausgefunden, dass nicht Business-to-Consumer Unternehmen (B-to-C) sondern deutlich mehr Business-to-Business Unternehmen (B-to-B) in der Social-Media-Kommunikation der IR aktiv sind. Diese Erkenntnis ist sehr interessant und sollte weiter beobachtet werden.

Social Media Nutzung von B-to-B-Unternehmen

Quelle: http://www.slideshare.net/KKristin

 

Die Studie „Investor relations 2.0 – An international benchmark study“ hat den aktuellen Status quo im Bereich der Investor Relations 2.0 im internationalen Umfeld erhoben und durch den Vergleich mit den Vorjahresdaten Trends und Entwicklungen in den Unternehmen identifiziert.

Quelle: http://www.slideshare.net/KKristin

 

Update: Presseinformation (19.08.2011): „Finanzkommunikation im Social Web: Deutsche Unternehmen liegen international im Mittelfeld“

 

Geschrieben von Andreas Köster am 6. August 2011 | Abgelegt unter Investor Relations,Quellen,Social Media,Studien | 2 Kommentare

Wikipedia in der Investor-Relations-Kommunikation

Wikipedia gehört weltweit zu den 10 wichtigsten Internetadressen und die deutschsprachige Version ist mit über 1,3 Millionen Artikeln die zweitgrößte (hinter der englischsprachigen Version). Beim diesjährigen DIRK Stimmungsbarometer Frühjahr 2011 gaben ganze 21,8% der börsennotierten Unternehmen an, derzeit Wikis in ihrer Investor-Relations-Arbeit einzusetzen. Diese Zahl ist erstaunlich, liegt sie doch an vorderster Position der gesamten Social-Media-Nutzung für IR-Inhalte – vor den Anwendungen Microblogging (20,8%), Soziale Netzwerke (20,8%) und Video sharing (14,9%).

Jede fünfte IR-Abteilung nutzt Social-Media-Anwendungen

Wiki = Wikipedia?
Sobald man eine Analyse der erhobenen Daten zur Wiki-Nutzung in den IR beginnt, wird es kompliziert, da nicht eindeutig ist, ob die Nutzung eines internen oder externen Wikis gemeint ist. Wikis können mächtige Werkzeuge der internen Kommunikation darstellen, wenn sie richtig in das Intranet des Unternehmens eingebettet und die Mitarbeiter entsprechend in der Nutzung geschult sind. Da die Frage des DIRK jedoch lautete „In welchen Anwendungen sind Sie als Investor-Relations-Abteilung mit einer eigenen Präsenz oder gezielten Maßnahmen derzeit aktiv“, haben vermutlich die meisten Befragten in Bezug auf externe Wikis geantwortet. Auch dort gibt es hunderte verschiedene Wiki-Plattformen die auf unterschiedlichste Wissensbereiche spezialisiert sind. Wikinvest beispielsweise ist ein großes und beliebtes Wiki, das sich ausschließlich um Unternehmen und Aktien dreht. In Deutschland ist Wikipedia jedoch mit Abstand das größte und bekannteste Wiki. Es ist davon auszugehen, dass diese freie Enzyklopädie gemeint ist.

Wikis im Social-Media-Prisma

Wikis im Social-Media-Prisma

Nutzt die Financial Community Wikipedia?
73% aller Internetnutzer und damit vermutlich ein Großteil der privaten Investoren nutzen regelmäßig oder zumindest gelegentlich Wikipedia. Aber auch Wirtschaftsjournalisten und Analysten steigen für eine Recherche oftmals in Wikipedia ein: Sie ermöglicht einen schnellen, aktuellen und neutralen Überblick und bietet Hinweise sowie Links zur weiteren Recherche – sofern der entsprechende Artikel gut gepflegt ist.

Wie IR-Abteilungen Wikipedia nutzen können
Wikipedia hält über Unternehmen in DAX, MDAX, SDAX und TecDAX umfassende Informationen bereit, wobei sich die Güte der Artikel zu den einzelnen Unternehmen deutlich unterscheidet. Hier können kleinere Indices von den DAX-30-Unternehmen lernen, die im Schnitt über die ausführlichsten und am besten gepflegten Artikel verfügen.

Innerhalb der Artikel wird der allgemeine Trend offensichtlich, dass sich die Bereiche IR und PR immer mehr annähern und teilweise sogar verschmelzen: Allgemeine Informationen zum Unternehmen und seiner Geschichte verschwimmen hier mit Standorten, aktuellen Projekten, der Equity Story, der Aktionärsstruktur und Geschäftszahlen. Die Bandbreite der Unternehmens-Artikel reicht dabei von einer „Minimalversion“ mit wenigen Informationen (z. B. ElringKlinger AG) bis hin zu riesigen Artikeln, die neben der Konzernstruktur auch die Unternehmensphilosophie darstellen sowie auf Produktportfolio, Forschung, Umwelt- und Verbraucherschutz eingehen (z. B. BASF SE). Interessant sind auch die Darstellungen aktueller Großprojekte (z. B. bei der Bilfinger Berger SE) oder spezieller Situationen des Unternehmens (wie beispielsweise bei der Continantal AG).

Wikipedia - Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe

Präsenz und Suchmaschinenoptimierung durch Wikipedia
Dadurch, dass Google Wikipedia-Seiten meist auf den vordersten Positionen der Trefferliste anzeigt, sind Inhalte der Wikipedia im Internet sehr präsent. Links, die aus Wikipedia heraus auf Internetadressen zeigen, sind aufgrund der hohen Relevanz der Seite wertvoll wie „Goldstaub“ für die Suchmaschinenoptimierung. Unternehmen, die Wikipedia für ihre IR-Inhalte zu nutzen wissen, können ihre Präsenz also nicht nur in der Financial Community, sondern gleichzeitig für die Suchmaschinen steigern, sofern sie auf ihre IR-Webseite verlinken.

Wikis stellen aufgrund ihrer Funktionsweise der massenhaften Kollaboration verteilter Nutzer regelrechte „Gallionsfiguren“ von Social-Media-Anwendungen dar, jedoch sind sie für eine direkte Interaktion zwischen Unternehmen und Nutzern kaum geeignet. So kann sich das Unternehmen in Wikipedia zwar präsentieren, jedoch nicht aktuell informieren oder gar in einen Dialog einsteigen.

Wikipedia-in-den-IR

Stolpersteine bei der Nutzung
Einer der Gründe, wieso Wikipedia so beliebt und erfolgreich ist, ist der, dass Unternehmen sich dort nicht so darstellen können, wie sie sich selbst sehen, sondern von der Wikipedia-Community weitgehend objektiv beschrieben werden. Nahezu jeder Unternehmens-Artikel beinhaltet auch die Rubrik „Kritik“. Zwar kann ein IR-Manager jederzeit und ohne Anmeldung einen Wikipedia-Artikel nach seinen Wünschen verändern, doch wird diese Änderung nicht von Dauer sein (So höre ich immer noch von Unternehmen, die ihre Imagebroschüre mehr oder weniger  eins zu eins dort eingepflegt und sich am Tag darauf gewundert haben).

Artikel werden im Normalfall nur Abschnitt für Abschnitt geändert und Unternehmen sollten beispielsweise in den Artikel-Diskussionen immer wieder aktuelles Material und neutrale Fakten anbieten, die der lexikalischen Natur der Wikipedia gerecht werden. Zudem werden Änderungen durch bekannte Nutzer mit eigener Benutzerseite eher akzeptiert, als anonyme Editierungen. Wikipedia in der Investor-Relations-Kommunikation ist also ein längerfristiges Projekt. Unternehmen haben in der Wikipedia nicht mehr und nicht weniger Rechte, als jeder andere Internetnutzer auch.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 30. Juli 2011 | Abgelegt unter Best-Practice,Investor Relations,Social Media,Wikipedia | 1 Kommentar