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DAI Studie 2009: Investorendialog im Umbruch

„Aktive Aktionäre sind nicht nur Kapitalgeber, sondern auch Dialogpartner und Impulsgeber für die Unternehmensleitung. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen schöpfen aus dem Dialog mit ihren aktiven Aktionären wertvolle Anregungen zur Entwicklung des Unternehmens. Aktive Aktionäre verfügen nach Einschätzung der Unternehmen über umfangreiche analytische Kapazitäten und können gut beurteilen, wie sich unternehmerische Entscheidungen auf die langfristige Bewertung eines Unternehmens am Kapitalmarkt auswirken. Das macht sie zu geeigneten Gesprächspartnern des Managements bei grundlegenden Richtungsentscheidungen, die naturgemäß mit großer Unsicherheit behaftet sind. Die Vorschläge aktiver Aktionäre finden deshalb auch Eingang in die Strategiediskussionen von Vorstand und Aufsichtsrat.“

Umgang börsennotierter Unternehmen mit aktiven Aktionären
Dies ist eine der Kernaussagen einer hoch interessanten Studie des Deutschen Aktieninstituts in Zusammenarbeit mit McKinsey aus dem Jahr 2009 mit dem Titel „Investorendialog im Umbruch – Zum Umgang börsennotierter Unternehmen mit aktiven Aktionären“. Die Ergebnisse der Studie beruhen hauptsächlich auf einer schriftlichen Umfrage der Indizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX, die Ende 2008 durchgeführt wurde. Von den 160 angeschriebenen Unternehmen haben 40 mit einem ausgefüllten Fragebogen geantwortet, was einer Rücklaufquote von 25 Prozent entspricht.

DAI Studie - Investorendialog im Umbruch

Wann wird ein Aktionär aktiv?
Die Bedeutung aktiver Aktionäre, die aus unterschiedlichen Motiven Änderungen der Unternehmenspolitik anregen, ohne die Mehrheit der Aktien zu erwerben, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Sie sind wichtige Gesprächspartner geworden. Im Gegensatz zu den angelsächsischen Kapitalmärkten ist das Phänomen aktiver Aktionär in Deutschland jedoch noch relativ jung und wenig untersucht.

In meinem Verständnis ist jeder Aktionär, der aktiv den Dialog mit dem Unternehmen sucht, ein aktiver Aktionär. Unabhängig von prozentualem Aktienvermögen und Art der Kommunikation.

Besseres Verständnis für das Unternehmen als Wirtschaftsprüfer
Aktive Aktionäre werden von den Umfrageteilnehmern laut der Studie nicht nur als Kapitalgeber, sondern auch als Wissensträger wahrgenommen. Sie bekommen ein gutes Verständnis des Unternehmens bescheinigt. Die befragten schätzen das Verständnis sogar höher ein, als das von Investmentbanken und Wirtschaftsprüfern. Ein besseres Verständnis wird lediglich dem eigenen Aufsichtsrat und Sell-Side-Analysten zugeschrieben!

Relevanz aktiver Aktionäre steigt
Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Bedeutung aktiver Aktionäre in Deutschland in den kommenden drei Jahren zunimmt. Ein Fünftel glaubt, dass aktive Aktionäre künftig ungefähr die gleiche Rolle spielen werden wie heute. Der Dialog mit Aktionären wird demnach immer wichtiger.

Dialog über persönliche IR Kanäle
Interessant ist auch, über welche Investor-Relations-Kanäle der Dialog mit den aktiven Aktionären vorwiegend abgewickelt wird. Über die Adressaten von Anregungen und deren Form hat das Deutsche Aktieninstitut folgende tabellarische Übersicht erstellt.

 

Tabelle: Adressaten von Anregungen und deren Form - Quelle DAI

Tabelle: Adressaten von Anregungen und deren Form - Quelle DAI

Vorschläge aktiver Aktionäre werden demnach in erster Linie an die Investor Relations Abteilungen und den Vorstand herangetragen. Dies erfolgt hauptsächlich telefonisch, im persönlichen Gespräch oder per E-Mail. Hier darf angenommen werden, dass der geringe Aufwand bzw. die niedrige Hemmschwelle dieser direkten Kontaktformen ausschlaggebend ist. Den aufwändigeren Weg über einen Brief oder gar eine Präsentation wählen deutlich weniger Aktionäre.

Neue Kontaktformen denkbar
Bei der Befragung wurde E-Mail als einzige Online Kontaktmöglichkeit zur Auswahl gestellt. Aufgrund ihrer schnellen, direkten und unkomplizierten Funktionsweise könnten hier in Zukunft jedoch auch Social Media Kanäle wie Tweets, Komments oder Posts hinzukommen. Mit geringem Aufwand hätte ein Unternehmen auf diese Weise ein ständig aktuelles Feedback über die Einschätzungen und Stimmungen der Aktionäre.

Die einfachste und kleinste denkbare Äußerungsform sind direkte Bewertungen einer Information über Sterne/Punkte oder einen Like-Button. Eine solche minimale Aussage kann theoretisch als Empfehlung bzw. Anregung (Zustimmung oder Ablehnung) bezeichnet werden. (Die derartige maximale Herabsetzung des Aufwands bzw. der Hemmschwelle für den Rezipienten war eines der entscheidenden Features für den Erfolg von Facebook).

Social Media in den Investor Relations
Die vorgestellte Studie hebt insgesamt die Bedeutung des Dialoges zwischen Emittenten und Aktionären hervor. Der Begriffsbestandteil „Relations“ der IR kann in diesem Zusammenhang durchaus wörtlich verstanden werden: Es geht um die Beziehung, welche maßgeblich Gestalt durch Kommunikation und Dialog nimmt. Thorsten Greiten (Geschäftsführer der NetFederation GmbH) spricht in diesem Zusammenhang von einer notwendigen Neudefinition der besagten Beziehungen im Onlinezeitalter, da Beziehungen heute de facto teilweise über Internet und Social Media stattfinden. Hier sehe ich die Verbindung zu meiner Masterarbeit. Investor Relations werden vermutlich auch von den Medien beeinflusst, in denen sie stattfinden. Insofern ist es nicht unwahrscheinlich, dass revolutionäre Entwicklungen wie das Web 2.0 die Investor Relations verändern.

Monitoring von schwachen Signalen
Nach dem Konzept der schwachen Signale steht die Frühaufklärung (Before Fact Approach) dem traditionellen Krisenmanagement (After Fact Approach) gegenüber. Dabei wird von der Annahme ausgegangen, dass sich Unternehmen aufgrund der zunehmenden Komplexität des Unternehmensumfeldes immer häufiger Überraschungen ausgesetzt sehen. Konkret kann demnach alleine eine Überwachung von Meinungen und Einstellungen aktiver Aktionäre böse Überraschungen vermeiden und ein rechtzeitiger Dialog mit niedriger Hemmschwelle für die Aktionäre beispielsweise konzentrierte und unerwartete Aktionen auf der Hauptversammlung verhindern.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 1. März 2011 | Abgelegt unter Finanzkommunikation,Quellen,Studien | Keine Kommentare