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Studie: Social Media Nutzung durch die Investment Community

Deutsche Unternehmen stellen bei der Entscheidung, ob sie Social Media in den Investor Relations einsetzen sollten, stets die Frage nach der Nutzung dieser Sozialen Medien durch die Investment Community. Valide Zahlen in diesem Bereich zu finden ist schwierig. Insbesondere in Deutschland gibt es wenige darauf spezialisierte Beratungen, die aktuell Studien in größerem Rahmen durchführen (Ausnahme ist z. B. NetFederation).

Glücklicher Weise decken die Erhebungen der großen US-amerikanischen Corporate Communications und Investor Relations Beratung Brunswick auch Europa mit ab. Die Studie „Brunswick Group Survey Findings on New Media Usage by the Investment Community” von September 2009 wird eine der zentralen Quellen für meine Masterarbeit sein, um die Relevanz von Social Media für institutionelle Investoren, Buy-Side Analysten und Sell-Side Analysten zu diskutieren.

Teilnehmer und Erhebungsart
Von mehreren tausend angeschriebenen, antworteten 455 verantwortliche Personen in einem relativ ausgeglichenen Verhältnis von Investoren, Buy-Side Analysten und Sell-Side Analysten. Die Antworten kamen etwa zur Hälfte aus den USA und zur Hälfte aus Europa, wobei leider keine näheren Länderangaben gemacht werden. Blogs, message boards, Soziale Netzwerke wie Facebook und micro-blogging Dienste wie Twitter wurden in der Studie als „New Media“ zusammengefasst.

Kernaussagen der Studie bezogen auf Social Media

  • Informationsquelle: Für 4 Prozent aller Befragten sind New Media (Blogs, message boards, Soziale Netzwerke und micro-blogging Dienste) die wichtigste Informationsquelle überhaupt. Soziale Netzwerke wurden von 13 Prozent als zunehmend wichtig für die tägliche Arbeit eingestuft. Blogs werden von 43 Prozent der Investoren und Analysten gelesen und 5 Prozent posten aktiv beispielsweise Kommentare. Auf die Frage, wieso ggf. keine Informationen aus Sozialen Netzwerken gezogen werden gaben 67 Prozent an, dass sie die Informationen dort nicht für verlässlich halten und 22 Prozent haben schlicht auch keinen Zugang zu Social Networks.
  • Informationsmedium: Besonders bei Befragten höheren Alters stehen nach wie vor Printprodukte wie beispielsweise Geschäftsberichte hoc h im Kurs. Blogs dagegen werden insbesondere von Mitarbeitern von Technologieunternehmen bevorzugt.
  • Handlungsbeeinflussung: Die Studie fragte ausdrücklich, ob in Social Media wie Sozialen Netzwerken oder Blogs schon einmal Informationen gefunden wurden, welche eine Investment Entscheidung entweder betroffen hat (read information)oder gar zu einer Entscheidungsfindung geführt hat (made decision). Soziale Netzwerke haben demnach bei 4 Prozent und Blogs bei 20 Prozent aller Befragten bereits mindestens eine Investmententscheidung ausgelöst.

Nutzung von Blogs und Sozialen Netzwerken durch Investment Community

Zukunftsperspektiven für Social Media
Wenn auch etwas zurückhaltender als die US Investoren, gab die Mehrheit der europäischen Investoren an, dass Social Media für Investitionsentscheidungen wahrscheinlich (41%) oder sicher (11%) eine immer bedeutendere Rolle spielen werden.

Zukünftige Bedeutung von Social Media für Investment Community

Investor Relations vor neuen Herausforderungen
Beeindruckt hat mich Brunswick in Bezug auf die Nutzwert Diskussion von Social Media in den Investor Relations bereits – auf einem Seminar des Deutschen Aktieninstituts (DAI). In seinem Vortrag „Aktuelle Trends in der Kapitalmarktkommunikation“ sagte Gundolf Moritz (Brunswick Group GmbH) die von Unternehmen geführte Aufwand-Nutzen Diskussion sei grundsätzlich engstirnig vor dem Hintergrund, eines fundamentalen gesellschaftlichen Wandels.

Dem stimme ich persönlich voll und ganz zu. Nichts desto trotz werde ich in meiner Masterarbeit selbstverständlich fundiertes Zahlenmaterial für eben diese Diskussion liefern.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 6. April 2011 | Abgelegt unter Quellen,Studien | 1 Kommentar

Nutzen Finanzjournalisten Social Media?

Bei der Frage nach dem grundsätzlichen Nutzen von Social Media in den Investor Relations muss geklärt werden, inwiefern die Financial Community das Web 2.0 nutzt bzw. in absehbarer Zeit nutzen wird. Bezogen auf Deutschland besteht hier erheblicher Forschungsbedarf: Es gibt zwar einige Anhaltspunkte, jedoch keine verlässlichen empirischen Daten darüber, wie Investoren, Analysten und Finanzmedien Social Media für ihre Zwecke anwenden.

Was institutionelle Investoren und Analysten angeht, arbeitet Patrick Kiss momentan an einer europaweiten Umfrage „about their use, perceptions, expectations, needs, restrictions, fears et cetera related to social media“, auf die ich gespannt bin. Doch was ist mit den Finanzjournalisten?

Studien zum Journalismus von news aktuell
In verschiedenen wissenschaftlichen Arbeiten zu Social Media und Journalismus wird die media studie 2007 – „2.0 und dann? Journalismus im Wandel“ der news aktuell GmbH herangezogen. Darin wird untersucht, was Journalisten von den aktuellen Trends im Internet halten und wie sie die Zukunft der Medien sehen. Im Gegensatz zu anderen Studien aus dieser Zeit wurde hier bereits schwerpunktmäßig auf das Web 2.0 eingegangen. Die dpa-Tochter wertete dazu die Antworten von insgesamt 1.195 Journalisten aus. 59 Prozent aller Teilnehmer davon waren im Printbereich tätig, 19 Prozent bei einem Onlinemedium und 21 Prozent arbeiteten für Hörfunk, Fernsehen oder sonstige Medien. Zwei Drittel der Teilnehmer waren männlich und das Alter der Befragten lag hauptsächlich zwischen 30 und 50 Jahren.

Ergebnisse dieser Studie können sicherlich nicht eins zu eins auf Finanzjournalisten übertragen werden, die wahrscheinlich nur einen kleinen Teil der Stichprobe darstellen. Es ist jedoch legitim, die Erkenntnisse zumindest tendenziell für diese spezielle journalistische Gruppe anzunehmen.

 

Relevanz von Web 2.0 Angeboten für Journalisten 2007

Relevanz von Web 2.0 Angeboten für Journalisten 2007 - Quelle: news aktuell

Journalistische Relevanz des Web 2.0 in 2007
Im Jahr 2007 hatten Web 2.0 Angebote für 52 Prozent der befragten Journalisten geringe und für 9 Prozent gar keine Relevanz. Dagegen hatten sie für 5 Prozent sehr hohe und für 25 Prozent hohe Relevanz. Journalisten standen den damals neuen Trends im Web, bezogen auf den eigenen Arbeitsbereich, also noch sehr abwartend gegenüber. Während sich die Nutzung von Blogs zur Themenfindung oder als Quelle teilweise bereits etabliert hatte, war die Nutzung von Podcasts noch selten. Ein Viertel aller Befragten nutze Blogs im redaktionellen Alltag gelegentlich oder sogar häufig zur journalistischen Themenfindung. Laut Studie schätzen Journalisten die Meinungsvielfalt in Blogs, sehen sie jedoch nicht als vertrauenswürdige Quelle an.

Aktuelle Datengrundlage erforderlich
Die Onlinebefragung fand bereits im Mai 2007 statt, sodass die Ergebnisse heute kaum mehr sinnvoll verwendet werden können. Die news aktuell GmbH hat zusammen mit der Faktenkontor GmbH jedoch eine ähnliche jährliche Studie namens „Medien-Trendmonitor“ etabliert, die zuletzt im März 2010 veröffentlicht wurde. Sie ist damit deutlich aktueller und durch 2.682 teilnehmende Journalisten verschiedener Medien auch vermeintlich repräsentativer. Die Studie trägt den Untertitel „Journalismus in einem neuen Informationszeitalter“ und greift schwerpunktmäßig ebenfalls Social Media auf.

Welche Relevanz hat Social Media 2010 für die journalistische Arbeit?
Die Ergebnisse aus 2007 und 2010 lassen sich nicht direkt vergleichen, da die Befragten kein konstantes Untersuchung-Panel bilden und die Fragen leicht abweichend gestellt wurden. Trotzdem ist eine Trendwende in den gegebenen Antworten kaum abzustreiten: 55 Prozent der Journalisten gaben 2010 an, dass Social Media hohe bis sehr hohe Relevanz für ihre Arbeit besitzt. Nur noch 35 Prozent sehen geringe bis gar keine Relevanz. Jeder zehnte Journalist weiß es nicht zu beurteilen. Da die Studie „Medien-Monitor“ eine Sampleaufteilung nach Medienbereich bietet, wird deutlich, dass im Online und Multimedia Bereich die Relevanz überdurchschnittlich hoch eingeschätzt wird.

 

Relevanz von Social Media für Journalisten 2010

Relevanz von Social Media für Journalisten 2010 - Quelle: news aktuell

Von Journalisten genutzte Social Media-Dienste
Die Top 4 der von Journalisten genutzten Plattformen überraschen nicht: Es sind Youtube, Xing, Facebook und Twitter. Selten genannt sind Flickr, Studi/Schüler/MeinVZ, Picasa, LinkedIn, Mister Wong, Delicious, Sevenload und Slideshare. Die Sampleaufteilung nach Medienbereichen verrät hier eine besonders starke Nutzung von Twitter durch Online und Multimedia Redaktionen sowie von Nachrichtenagenturen und eine schwache Nutzung von Zeitschriftenredaktionen. Ebenfalls Interessant: Bereits 45 Prozent der Journalisten nutzen Smartphones für ihre Arbeit. Mit diesen Geräten können sie theoretisch sämtliche genannten Kanäle auch mobil nutzen.

Fazit
Die aktuellen sowie mit großen Stichproben arbeitenden Studien der news aktuell GmbH bieten für meine Arbeit eine wichtige empirische Grundlage zur Beurteilung der Nutzungsart und des Nutzens von Social Media im Finanzjournalismus in Deutschland. Der rasante Bedeutungszuwachs von sozialen Medien für Journalisten in den letzten drei Jahren ist bemerkenswert. Leider geht der „Medien-Trendmonitor“ 2010 nicht mehr auf Blogs ein, die für die Investor Relations momentan an Bedeutung gewinnen.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 8. März 2011 | Abgelegt unter Social Media,Studien | 2 Kommentare