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IR-Benchmark 2010: Investor-Relations-Websites des österreichischen ATX Prime

Die Kölner NetFederation GmbH veröffentlichte bereits im Dezember 2010 zusammen mit boerse-express.com die Ergebnisse der Studie ATX Prime IR-Benchmark 2010. Untersucht wurden dabei Investor-Relations-Websites der 44 Unternehmen des ATX Prime Markets, der mit dem hiesigen DAX verglichen werden kann. Ergebnisse der Online-Inhaltsanalyse, die von August bis September 2010 durchgeführt wurde, sind ein Ranking, Trends und Best Practices der Online-Kommunikation in Österreich.

Jede IR-Website wurde im Rahmen einer inhaltlichen und technischen Analyse unter Berücksichtigung von insgesamt 231 Einzelkriterien überprüft und bewertet. Kommunikationsverantwortliche der IR-Abteilungen können aus dem Benchmark ablesen, wie ihr Unternehmen in der jeweiligen Kategorie abschneidet und wie die Konkurrenz aufgestellt ist. Zwar sind die Daten heute nicht mehr ganz aktuell, da es zu den österreichischen Online-Investor-Relations jedoch nur wenige Untersuchungen gibt, möchte ich dennoch darauf aufmerksam machen.

Austria IR-Benchmark 2010 - NetFederation

Austria IR-Benchmark 2010 - NetFederation

Führende Unternehmen in Österreich
Gewinner des ATX Prime IR-Benchmark 2010 war die Telekom Austria AG mit 615 von 1000 möglichen Punkten. Die Österreichische Post AG belegt den zweiten Rang. Auf Rang drei landete die Palfinger AG. Dicht auf lagen die EVN AG und die STRABAG SE auf den Plätzen vier und fünf. Die IR-Websites der Top 5 Unternehmen des Gesamtrankings bieten dem User laut NetFederation durch konzeptionell ausgereifte Nutzung vielfältiger Online-Kommunikationsmöglichkeiten einen spürbaren Mehrwert. Die erreichten Punkte liegen relativ zum deutschen IR-Benchmark (der sich im oberen Bereich zwischen 700 und 800 Punkten bewegt) insgesamt jedoch deutlich niedriger.

Die mit dem ersten Platz ausgezeichnete IR-Website der Telekom Austria AG konnte laut Studie vor allem durch Dialogmöglichkeiten via Social-Media-Anwendungen sowie der gelungenen Einbindung des Vorstands punkten. Bei genauerer Betrachtung erweisen sich jedoch selbst die Social-Media-Anwendungen der Telekom Austria AG als sehr übersichtlich. Neben dem RSS-Feed werden lediglich ein Flickr-Account und eine AddThis-Einbindung zum Teilen und Weiterleiten von Inhalten angeboten. Externe Anwendungen wie Twitter, Facebook oder Youtube für IR relevante Inhalte sucht der Nutzer vergebens.

Telekom-Austria-AG Social Media

TOP 10 Ranking der österreichischen ATX Prime Unternehmen

Rang Unternehmen Score
1 TELEKOM AUSTRIA AG 615
2 OESTERR. POST AG 598
3 PALFINGER AG 572
4 EVN AG 551
5 STRABAG SE 548
6 AT&S Austria Tech.&Systemtech. 546
7 FLUGHAFEN WIEN AG 543
7 OMV AG 543
9 WIENERBERGER AG 541
10 ZUMTOBEL AG 528

Hier geht es zum vollständigen ATX Prime Ranking 2010

Österreichische IR-Webseiten schwach aufgestellt
Die Studie kommt zu einer kritischen Gesamtbewertung des ATX Prime: Insgesamt entsprechen die österreichischen IR-Seiten dem europäischen Stand von 2007. Die Investor-Relations-Seiten der ATX Prime-Unternehmen gleichen Online-Visitenkarten, mit denen ein Besucher aufgefordert wird, sich Informationen eher telefonisch als online zu beschaffen. Auch das „Equity Story Telling“ kommt laut NetFederation in Österreich zu kurz. Online-Finanzpublikationen in HTML beschränken sich auf Geschäftsberichte. Außerdem führt eine schlechte Indizierung der Websites und häufig anzufindende Scantabellen zu schlechten Ergebnissen bei Suchmaschinen. Den Nutzen von Social Media für die Unternehmenskommunikation im allgemeinen und der Finanzkommunikation im Besonderen haben die Unternehmen bislang nicht erkannt. „Social Media muss zum Vorstandsthema gemacht werden“ forderten daher Thorsten Greiten und Edin Rekic von NetFederation und sehen einen Paradigmenwechsel in der IR-Kommunikation mit steigender Bedeutung von Social Media für Anleger und Unternehmen.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 18. August 2011 | Abgelegt unter Online Investor Relations,Studien | Keine Kommentare

Elektronischer Geschäftsbericht reicht aus – Papierform ist nicht vorgeschrieben

Das Instrument der Online Investor Relations gewinnt auch in Deutschland weiter an Bedeutung. Das sieht man unter anderem an der Form des „Flaggschiffes“ der IR, dem Geschäftsbericht. Dieses Vorzeigestück ist oft mehrere hundert Seiten stark, aufwändig gestaltet und auf hochwertigem Papier gedruckt – kostet jedoch auch dementsprechend viel. Meiner Einschätzung nach ist es jedoch für Aktiengesellschaften nicht gesetzlich erforderlich, den im Geschäftsbericht enthaltenen Jahresfinanzbericht in Papierform bereitzustellen.

Elektronischer Geschäftsbericht reicht aus – Papierform ist nicht vorgeschrieben

Bestimmte Rechte vorbehalten von azza-bazoo (Flickr)

Gedruckter Jahresfinanzbericht ist fakultativ
Zunächst ist grundsätzlich Paragraph § 325 „Offenlegung“ des Handelsgesetzbuches (HGB) relevant, der vorschreibt, dass Kapitalgesellschaften den Jahresabschluss beim elektronischen Bundesanzeiger elektronisch einzureichen haben. Die Rechnungslegungsunterlagen sind lediglich in einer Form einzureichen, die ihre elektronische Bekanntmachung ermöglicht, womit wohl keine Papierform gemeint ist.

Für börsennotierte Unternehmen ist weiterhin das Wertpapierhandelsgesetz (WpHgG), § 37v „Jahresfinanzbericht“ relevant. Dieser Paragraph besagt jedoch nur, dass das Unternehmen seinen Jahresfinanzbericht „der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“ hat, sowie eine „Bekanntmachung darüber veröffentlichen, ab welchem Zeitpunkt und unter welcher Internetadresse die […]  Rechnungslegungsunterlagen zusätzlich zu ihrer Verfügbarkeit im Unternehmensregister öffentlich zugänglich sind“.

Von einer Pflicht, den Jahresfinanzbericht  neben der digitalen auch in gedruckter Form der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, ist nichts zu finden. Jedoch kann das Bundesministerium der Finanzen laut WpHgG § 37v theoretisch im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Justiz durch Rechtsverordnung nähere Bestimmungen über die Form der Veröffentlichung erlassen. Von einem solchen Erlass ist mir nichts bekannt.

Noch deutlicher besagt das ein FAQ der BaFin zu den §§ 37v ff. WpHG:

Darf der Jahresfinanzbericht der Öffentlichkeit auch anders als über das Internet zur Verfügung gestellt werden?

§ 37v Abs. 1 S. 2 WpHG erfordert eine Hinweisbekanntmachung mit Angabe der genauen Internetadresse, unter der der Jahresfinanzbericht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Daraus folgt, dass eine Zurverfügungstellung über das Internet erfolgen muss. Zusätzlich sind auch andere Verbreitungswege möglich, aber nicht gefordert.

Ressourcen der Investor Relations umverteilen
Meinem Eindruck nach, hat der Print-Geschäftsbericht im Vergleich zu vor einigen Jahren deutlich an Bedeutung eingebüßt. Investoren und Analysten werden sich kaum stundenlang Zeit nehmen, um sich die „Hochglanz-Eigendarstellung“ des Unternehmens zu Gemüte zu führen. Haben sie früher vielleicht noch die Zahlen auf den letzten Seiten herausgetrennt und gelesen, legen sie heute vermutlich mehr Wert auf eine flexible HTML-Darstellung auf der IR-Webseite mit entsprechenden Darstellungsmöglichkeiten und Exportfunktionen beispielsweise in Excel. Finanzjournalisten recherchieren eher in anderen Quellen und lediglich um private Investoren mit dem Druckwerk zu beeindrucken, ist es doch vergleichsweise teuer.

Ich bin weder Wirtschaftsjurist noch Investor, doch aus kommunikativer Sicht, sollten die Investor Relations Verantwortlichen effizient und an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppen orientiert arbeiten. Dies würde bedeuten die IR-Instrumente dementsprechend permanent anpassen.

Geschrieben von Andreas Köster am 7. Juni 2011 | Abgelegt unter Investor Relations,Online Investor Relations,Rechtliche Vorschriften | 2 Kommentare

Studie: Internet- und Web 2.0 Nutzung in Deutschland

Die Reichweite des Internets ist in Deutschland inzwischen fast vergleichbar mit der des Fernsehens: 76 Prozent der deutschen Onliner sind täglich im Netz und 49 Millionen Menschen ab 14 Jahren nutzen das Internet wenigstens gelegentlich. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 69,4 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind in 2010 damit 5,5 Millionen Nutzer neu hinzugekommen, was einem Zuwachs  von 13 Prozent entspricht. Social Communitys sowie Video- und Fernsehinhalte im Netz werden immer beliebter, wobei das Anschauen von Onlinevideos für die meisten Nutzer weitaus wichtiger ist als viele Web-2.0-Aktivitäten.

ARD/ZDF-Onlinestudie häufig zitiert
Dies sind Ergebnisse der viel zitierten ARD/ZDF-Onlinestudie 2010. Seit 1997 befragt sie die deutschsprachige Bevölkerung ab 14 Jahren, wobei die Stichprobengröße in 2010 n=1804 betrug. Durch diese breite Befragung und die wissenschaftlichen Erhebungsmethoden gilt die jährliche ARD/ZDF-Onlinestudie als seriös und verlässlich. In meinen Recherchen bin ich auf keine andere Erhebung zur Internetnutzung in Deutschland gestoßen, die annähernd so häufig herangezogen und zitiert wurde. Da sich meine Masterarbeit mit Social Media in den Investor Relations beschäftigt, interessiert mich in erster Linie die Web 2.0 Nutzung, die ebenfalls seit einigen Jahren ermittelt wird.

Wie relevant ist das Internet generell für Wirtschaftsinformationen?
Interessant ist, dass in 2010 26 Prozent aller Internetnutzer (also Kinder und Senioren inbegriffen) gelegentlich oder häufig im Netz Informationen zu Wirtschaft und Börse gesucht und genutzt haben. Wenn man für die typischen Zielgruppen der Investor Relations (Financial Community) tendenziell von berufstätigen, besser gebildeten, männlichen Personen zwischen 30 und 59 Jahren ausgeht, dürfte dieser Prozentsatz noch deutlich höher liegen.

Mehr zur Grundcharakteristik der Nutzer sagt die „MedienNutzerTypologie 2.0“ aus. Die Gruppe der „routinierten Infonutzer“ beispielsweise beschäftigt sich täglich zwischen 100 und 350 Minuten intensiv mit Netzinhalten, während der Gesamtdurchschnitt bei 77 Minuten liegt.

Tendenziell kann man also davon ausgehen, dass das Internet generell für Wirtschaftsinformationen und damit auch für Investor Relations Kommunikation sehr relevant ist.

Verstärkte Nutzung von Web 2.0 in Deutschland
Der Anstieg der gelegentlichen bis regelmäßigen Nutzung von Social Media war bei Wikipedia, Videoportalen (z. B. Youtube) sowie privaten Netzwerken und Communitys in den letzten Jahren besonders stark. Fotosammlungen und -Communitys (z. B. Flickr), berufliche Netzwerke und -Communitys (z. B. Xing, LinkedIn), Lesezeichensammlungen (Social Bookmarks) sowie Weblogs stagnieren dagegen oder nehmen laut Studie sogar leicht ab. Es ist also eine wachsende Nutzungskluft zwischen populären Web-2.0-Formen und speziellen Angeboten zu beobachten.

web2.0 Nutzung in Deutschland 2007 bis 2010

Die Twitternutzung wurde 2010 erstmals im Rahmen dieser Studie erhoben. Drei Prozent bzw. hochgerechnet ca. 1,65 Millionen Menschen (überwiegend junge Männer) haben den Kurznachrichtendienst schon einmal genutzt, davon jedoch knapp zwei Drittel ausschließlich passiv, also nur lesend.

Beeindruckend ist die Nutzungshäufigkeit bzw. -intensität privater Communitys/Netzwerke unter eigenem Profil 2010: Hier stehen beispielsweise die 50 bis 59 jährigen Nutzer den 30 bis 39 jährigen in keinster Weise nach. 47 Prozent pflegen wöchentlich ihr soziales Netzwerk und 32 Prozent sogar täglich. (Beide Angaben setzen allerdings ein eigenes Profil beispielsweise bei Facebook voraus. Dies wird aus der Tabelle nicht sofort ersichtlich.)

Nutzungsfrequenz von web 2.0 Angeboten in Deutschland

Relevanz für Investor Relations
Für konkrete Fragestellungen von IR Abteilungen sowie meine Masterarbeit sind die Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie nur bedingt aussagekräftig. Die allgemeine Internet- und Web 2.0 Nutzung des gesamten Bevölkerungsdurchschnitts lässt sich kaum auf die speziellen Zielgruppen der Investor Relations anwenden. Lediglich über die angesprochene Gruppe der „routinierten Infonutzer“ lassen sich Tendenzen aufzeigen, wie wichtig Internet und Social Media für die professionelle berufliche Nutzung mittlerweile sind.

Für andere Unternehmensbereiche wie beispielsweise Human Ressources oder Marketing dagegen sind die nach Alter gestaffelten Erhebungen sicherlich wertvolles Informationsmaterial für die Online-Strategieplanung.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 30. März 2011 | Abgelegt unter Quellen,Studien | Keine Kommentare

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