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Richtig twittern für IR-Abteilungen

Die auf moderne Online Investor Relations spezialisierte US-amerikanische Agentur Q4 Websystems hat mit ihrem aktuellen Whitepaper „Public Company Use of Social Media for Investor Relations – Part 1 Twitter & StockTwits“ einen hervorragenden Überblick zur Best-Practice Twitter-Nutzung in den Investor Relations veröffentlicht. Die anschaulichen Beispiele von 600 internationalen Unternehmen erläutern, wie und mit welchen konkreten Inhalten IR-Abteilungen das zunehmend wichtiger werdende Microblog Twitter bespielen können.

Die Ergebnisse des Whitepaper decken sich mit meinen eigenen Erfahrungen und Einschätzungen. Die wichtigsten Trends möchte ich kurz vorstellen:

Unternehmen verlinken ihre sonstigen Social Media Kanäle und lotsen ihre Follower dorthin
Viele der twitternden IR-Abteilungen sind parallel auf Youtube, Slideshare, LinkedIn und anderen Kanälen aktiv. Um die Financial Community darauf aufmerksam zu machen, und sicherlich nicht zuletzt aus Gründen der Suchmaschinenoptimierung (SEO), verweisen Tweets inzwischen häufig auf die weitere Plattformen. Twitter ist ein hervorragendes Tool, um schnell die Präsenz und Reichweite im Internet zu steigern.

Unternehmen binden Fotos und Videos von Social Media Kanälen ein
Seit einiger Zeit sehen aus Youtube verlinkte Videos und aus Slideshare verlinkte Präsentationen bei Twitter besonders ansprechende aus, da sie als Vorschau direkt in Twitter eingebunden werden. Zudem verfügen Unternehmen oft über einen großen Fundus an Videosequenzen und IR-Präsentationen, die über diesen Weg zusätzliche Verbreitung finden.

Daimler IR-Twitter - www.online-investorrelations.de

Unternehmen verbreiten Links zu Downloads wie beispielsweise IR-Apps für Smartphones
Was wäre ein IR-Manager ohne technisches Spielzeug. Wenn es schon kein iPad ist, dann zumindest ein Smartphone der neuen Generation. Daher stehen nutzerfreundliche und grafisch ansprechende Investor Relations Apps momentan hoch im Kurs. Doch nicht nur auf diese wird verlinkt. Theoretisch kann die Reichweite jeglichen IR-Downloads per Twitter ohne nennenswerten Aufwand erhöht werden.

Unternehmen begleiten Veranstaltungen wie Hauptversammlungen und Investorentage mit live-tweeting
Das Publikum von Präsenzveranstaltungen wird immer häufiger um die Twitter-Community erweitert. Wirtschaftsjournalisten, Investoren und andere Interessierte haben auf diese Weise einen „Heißen Draht“ z. B. direkt in die Hauptversammlung. Im Gegensatz zu Deutschland finden in den USA Analysten-Telefonkonferenzen nicht hinter geschlossenen Türen statt: Über live-tweeting erhalten alle Teile der Financial Community die wirklich interessanten Informationen unverzerrt aus erster Hand.

Unternehmen verlinken auf externe Analysen und Aktieninformationen
Kürzlich habe ich darüber geschrieben, wie Social Media Kontexte für Investoren bieten kann, wenn nicht ausschließlich aus dem Unternehmen über das Unternehmen berichtet wird. Investoren interessieren sich natürlich sehr für externe Analysen und Aktienbewertungen. Wieso sollte nicht das Unternehmen selbst darauf aufmerksam machen und den Investoren so die Arbeit erleichtern? Dabei jedoch ausschließlich auf positive und nicht auf negative Bewertungen hinzuweisen, widerspräche nicht nur den Grundsätzen der Investor Relations Arbeit sondern würde von den Investoren auch sehr schnell durchschaut.

Unternehmen teilen branchenrelevante Nachrichten und verlinken auf Beiträge in Finanzblogs
Auch aktuelle Branchenentwicklungen sind für Investoren hochinteressant und ein wichtiger Kontext, vor dem die Unternehmenszahlen zu betrachten sind. Auch hier kann Twitter schnell und unaufdringlich informieren. Finanzblogs und Web-2.0-Investment Communities wie Stocktwits und SeekingAlpha sind in den USA mittlerweile mächtige Multiplikatoren, die direkte Auswirkungen auf den Aktienkurs haben können. Unternehmen beobachten diese Quellen daher nicht nur, sondern verlinken und reagieren aktiv auf Artikel, die sich auf das Unternehmen beziehen.

Unternehmen nutzen Twitter um Investorenfragen einzuholen und zu beantworten
Twitter ist mit seinen 140 Zeichen kein für einen echten Dialog geeignetes Medium. Dennoch können kurze Fragen und Antworten darüber ausgetauscht werden. Dazu animieren besonders Unternehmen aus den USA, wo Investoren dazu aufgerufen sind, Twitter als Interaktionskanal zu nutzen und beispielsweise Fragen einzubringen, die in der nächsten Telefonkonferenz thematisiert werden sollen.

Im Gegensatz zu allen anderen beschriebenen Trends in Twitter, die sich lediglich auf Präsenz und Information beziehen, besitzt der Dialog eine eigene Qualität. Er erfordert von den IR-Abteilungen viel Zeit, exzellentes Fachwissen sowie tiefe Einblicke in das Unternehmen. Dies schließt eine Betreuung durch einen externen Social Media Manager, wie es eventuell in anderen Unternehmensbereichen praktiziert wird, kategorisch aus.

Professionalisierung der IR-Twitterer
Insgesamt ist nicht nur eine Verstärkung der Nutzung von Twitter in der Investor Relations Kommunikation festzustellen, sondern ebenfalls eine Professionalisierung im Umgang mit Twitter. Dies lässt sich u. a. am souveräneren Gebrauch der @mentions, #hashtags, RTretweets und Linkkürzer-Dienste (z. B. bit.ly) als noch vor einem Jahr erkennen. Beispielsweise werden für live-tweeting kurze und eindeutige hashtags konsequent verwendet, was die Übersichtlichkeit und Auffindbarkeit der Tweets deutlich erhöht. Von mehreren Tweets, die einleitend auf seitenlange Disclaimer verlinken, scheinen die IR-Abteilungen ebenfalls abgekommen zu sein – es wird nur getwittert, was auch über anerkannte Veröffentlichungskanäle verfügbar ist.

Q4 Whitepaper - Public Company Use of Social Media for Investor Relations

Minimale Kritikpunkte an dem Q4 Websystems Whitepaper:
Die Grundgesamtheit der 600 untersuchten Unternehmen wird nicht erklärt und ist vermutlich leider nicht per Zufallsstichprobe sondern willkürlich ausgewählt worden. Daher macht auch die Auswertung der Social Media Nutzung nach Region keinen Sinn (Wenn fast ausschließlich Unternehmen aus den USA untersucht wurden, kommt dabei wenig überraschend heraus, dass die Nutzung in den USA am stärksten ist).

Die Links zu den einzelnen Tweets sollten um die Zeichenfolge #!/ bereinigt werden (z. B. http://twitter.com/#!/ATK/status/60029970998763520), da diese nichts mit der eigentlichen URL zu tun hat, sondern lediglich anzeigt, dass Q4 Twitter in der neuen Ansicht verwendet. Ähnliches passiert auch immer wieder mit ellenlangen Facebook-URLs, die nicht nur auf eine Fanpage verlinken, sondern gleichzeitig Informationen darüber enthalten, auf welchen Seiten vorher gesurft wurde…

 

Geschrieben von Andreas Köster am 2. Juni 2011 | Abgelegt unter Best-Practice,Investor Relations,Social Media,Stocktwits,Twitter | 1 Kommentar