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Social Network „IR Club“ ist online gegangen

Mit dem IR Club startete am 1. September 2011 die erste deutschsprachige Investor-Relations-Community im Social Web. Der IR Club stellt die ganz praktische Zusammenführung von Investor Relations und Social Media dar: Die Online-Community für IR-Spezialisten. Hinter dem Projekt steht der bekannte Vordenker im Bereich Social Media und Investor Relations Patrick Kiss.

Einladung in den IR Club
Der IR Club steht allen offen, die sich für Investor Relations interessieren bzw. sich beruflich oder wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigen. Daher sind neben IR-Managern von börsennotierten Unternehmen auch Berater, Dienstleister, Wissenschaftler, Studenten und auch Praktikanten eingeladen, sich im IR Club zu vernetzen.

Um Beim IR Club Mitglied zu werden, kann unter Angabe von E-Mailadresse und Geburtstag in Kürze ein Konto erstellt werden oder man kann sich über ein bestehendes Facebook- oder Twitter- Konto registrieren. Das Twitter-Konto kann anschließend für automatische Tweets aus dem IR Club heraus verbunden werden und eine eigene Facebook Anwendung existiert ebenfalls. Im Gegensatz zu Facebook können beim IR Club auch nicht angemeldete Nutzer die Plattform teilweise einsehen, beispielsweise die letzten Mitgliederaktivitäten und Forum-Beiträge.

IR Club - Die Investor Relations Community Startseite

Social Network für Investor Relations
Da die Community das Herzstück der Plattform darstellt, kann man sie kurz als „Facebook für Investor Relations“ bezeichnen. Jeder Nutzer verfügt über eine Profilseite, eine Art Pinnwand, eine Blogfunktion sowie die Möglichkeit, Kurznachrichten mit 140 Zeichen zu teilen. Andere Nutzer fügt man als Freund hinzu und kann entweder öffentlich oder per Direktnachricht mit ihnen kommunizieren. Darüber hinaus verfügt der IR Club über ein klassisches Forum und einen Live-Chat. Derzeit wird die Oberfläche um den Twitter-Stream von @IR_Club (der dringend mehr Follower braucht ;) erweitert. Außerdem erscheinen kürzlich hochgeladene Bilder, Videos, Tweets mit dem Hashtag #irchat und Blogbeiträge auf der Startseite. Besonders freut mich, dass neben dem „News Aktuell Blog“ und dem berühmten „IR Web Report“ auch mein Blog als RSS-Feed einen Platz im IR Club gefunden hat.

Mitglieder im Investor Relations Club
Am zweiten Tag nach Onlinestart zählt der IR Club bereits 125 Mitglieder und es werden stündlich mehr. Bislang sind bereits die „üblichen Verdächtigen“ (Gruß an @greiten ;) aus dem Bereich Online-Investor Relations anzutreffen und es macht Spaß, die Entwicklung der Plattform von Anfang an mit verfolgen zu können. Da die Plattformsprache Deutsch ist, wird sich die Nutzerschaft jedoch vermutlich auf den deutschsprachigen Raum begrenzen, sodass sich Mark Zuckerberg bislang keine Sorgen um seine Nutzerzahlen machen muss…

 

Geschrieben von Andreas Köster am 2. September 2011 | Abgelegt unter Aktuelles,Online Investor Relations | 2 Kommentare

#IR – Twitter als Einstieg in Social Media

Unternehmen fragen häufig nach dem Social Media Tool, das am besten für den Einstieg geeignet ist. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage: Häufig ist Twitter das beste Einstiegstool für Investor Relations.

Microblogging ist eine hervorragende Möglichkeit für IR-Abteilungen, Zielgruppen mit einem deutlich höheren Altersdurchschnitt als bei anderen Social Media Plattformen zu erreichen. Aktuell twittern in Deutschland 480.000 Accounts, darunter eine Reihe von Investor Relations Abteilungen. Unternehmen können mit Twitter ihre Reichweite steigern und ohne Zeitverzögerung direkt mit ihren Zielgruppen kommunizieren – sofern diese auf Twitter aktiv sind. Um herauszufinden, welche Teile der Financial Community dort aktiv sind und wie Twitter praktisch funktioniert, können IR-Manager einfach einen anonymen Testaccount anlegen. Anschließend können sie nach ihrem Unternehmensnamen suchen, die Suche abspeichern und zukünftig mit einem Klick wieder aufrufen. Viele Nutzer finden ein Twitter-Client-Programm wie Tweetdeck übersichtlicher und praktischer als die Standardoberfläche.

Twitter als Einstieg in Social Media - www.online-investorrelations.de

Going Social Media
Wenn sich die IR-Abteilung für ein Engagement in Twitter entscheidet, sollte ein passender Kurzname gewählt sowie ein ansprechender Twitter-Hintergrund im Corporate Design angelegt werden, der kenntlich macht, welcher Mitarbeiter in Person dort twittert. Viele Unternehmen binden auch einen Disclaimer in diesen Hintergrund ein, wie beispielsweise @BASF_IR. Innerhalb der Kurzbeschreibung zum Account sollte ein Link zur IR-Webseite eingefügt werden. Die Account-Verifizierung durch Twitter steht derzeit in Deutschland leider nicht zur Verfügung, jedoch kann eine Verlinkung auf der IR-Webseite die Unternehmenszugehörigkeit bestätigen.

Skalierbarer Aufwand
Twitter eignet sich für einen Einstieg in Social Media, da es relativ übersichtlich, einfach zu bedienen und nicht besonders Zeitaufwendig ist. Geübte Twitteristi können einen Unternehmensaccount mit einem Zeitbudget von 30 bis 60 Minuten täglich pflegen und werden mit interessanten Tweets in wenigen Wochen vermutlich einen ansehnlichen Follower-Stamm aufbauen. Indem man seinen eigenen Geschäftspartnern, Kunden und Konkurrenten folgt, kann Twitter einschätzen, welches Netzwerk relevant ist und wird anschließend eigene Vorschläge unterbreiten, wem es sich noch zu folgen lohnt. Indem sich ein IR-Mitarbeiter aktiv mit dem Kanal und seinen Funktionen beschäftigt, kann er schnell einen Erfahrungsschatz aufbauen und an seine Kollegen weitergeben.

Welche Inhalte sollten getwittert werden?
Übliche Investor Relations Tweets sind beispielsweise Fragen und Antworten (Q&A), Verbreitung von Links (Präsentationen, Interviews), Eventankündigungen (Pressekonferenzen, Roadshows), Live-Tweeting von diesen Veranstaltungen, Verbreitung von Quartals- und Jahresberichten oder die aktuelle Kursentwicklung. Glücklicherweise muss kein IR-Manager das Twittern neu erfinden: Nichts ist einfacher, als sich anzuschauen, wie es erfolgreiche Unternehmen bereits praktizieren. Best-Practice für ein MDAX-Unternehmen ist die Deutsche EuroShop AG mit @DES_AG

 

DES_AG Investor Relations Twitter

DES_AG Investor Relations Twitter

Erfolgsmessung der Twitteraktivität
Vermutlich möchte der Head of IR bzw. Kommunikationsleiter nach einiger Zeit wissen, ob es sich lohnt, dass ein Mitarbeiter täglich etliche Minuten in Twitter aktiv ist und fragt nach einer Erfolgsmessung. Hier sind als rudimentäre Ansätze Twittercounter und tweetreach zu empfehlen, die kostenlos und in Echtzeit recht aufschlussreiche Analysen über die Follower-Entwicklung sowie Reichweite bieten.

Vermutlich wird die IR-Abteilung auch über News und aktuelle Entwicklungen in der Branche deutlich schneller informiert sein, als zuvor über klassische Web-1.0-Kanäle oder gar Print-Branchenmedien.

Fazit
Twitter eignet sich für Investor Relations als Einstieg aufgrund seiner Übersichtlichkeit und Ressourcen schonenden Handhabbarkeit, um mit geringem Risiko erste Erfahrungen zu sammeln. In 140 Zeichen können und müssen keine tiefgreifenden Artikel verfasst werden, und solange kein Praktikant twittert, ist auch nicht mit Insiderrecht-Verstößen zu rechnen. IR-Abteilungen können ihre Präsenz ausbauen und die Reichweite ihrer Informationen erhöhen sowie erste Dialogversuche im Social Web starten. Ganz nebenher stärkt Twitter auch noch die Suchmaschinenoptimierung (SEO) für das Unternehmen uns seine Inhalte erheblich.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 22. Juni 2011 | Abgelegt unter Best-Practice,Investor Relations,Social Media,Twitter | 1 Kommentar

Praktikantenverbot für Blogs und Soziale Netzwerke in den Investor Relations

Im September 2009 gründete die US-amerikanische FINRA[1] eine „Social Networking Task Force“, bestehend aus eigenen Mitarbeitern und Vertretern der Industrie. Sie hatte den Auftrag zu erörtern, wie Unternehmen und ihre Mitarbeiter Social Media für die Investor Relations so verwenden können, dass der Schutz der Anleger (Investoren) gewährleistet bleibt. Basierend auf dem Input dieser Task Force erarbeitete die FINRA Anfang 2010 eine offizielle Mitteilung („Social Media Web Sites – Guidance on Blogs and Social NetworkingWeb Sites“), welche Kommunikations-Regeln für Social Media Plattformen wie Blogs und Soziale Netzwerke anzuwenden sind und nennt dabei konkret Facebook, Twitter und LinkedIn. Ziel dieser Mitteilung ist es, sicherzustellen, dass die Investoren in Zeiten immer stärkerer Nutzung von Social Media Anwendungen vor irreführenden Aussagen und Informationen geschützt werden.

Aufgabe der FINRA ist es in diesem Zusammenhang, dafür zu sorgen, dass Unternehmen und ihre IR Manger in der Lage sind, Social Web Aktivitäten effektiv und angemessen überwachen zu können. Die FINRA ist dabei nach eigenen Angaben bestrebt, ihre eigenen Regeln flexibel zu interpretieren, damit Unternehmen tatsächlich die Möglichkeit bleibt, mit Kunden und Anlegern über neue Technologie zu kommunizieren.

Unklarheiten zur Social Media Nutzung beseitigt
Die Mitteilung geht auf praktische Fragen und Probleme der Unternehmen ein und schafft Klarheit bezüglich der geeigneten Mitarbeiter und geeigneten Inhalte. Beispielsweise ist es erforderlich, Aufzeichnungen der Konversationen aufzubewahren. Unternehmen, die beabsichtigen über Social Media zu kommunizieren oder dies ihren Mitarbeitern erlauben, müssen sicherstellen, dass diese Kommunikation aufgezeichnet und archiviert wird.

Verantwortung für angemessene Empfehlungen
Kommunikation die direkt bestimmte Anlagen empfiehlt, stellt für ein Unternehmen häufig eine Herausforderung bezüglich der Einhaltung der internen Compliance-Programme dar und sollte daher mit besonderer Vorsicht behandelt werden. Solche Empfehlungen können verschiedene weitere FINRA Regularien betreffen, wodurch u. U. inhaltliche Haftung für die Vertreter des Unternehmens entsteht. Diese Art von Kommunikation muss daher oft zusätzliche Angaben wie Disclaimer beinhalten, um dem Kunden eine solide Basis für die Bewertung der mit dem Produkt zusammenhängenden Fakten zu ermöglichen. Weit unproblematischer dagegen ist die zusätzliche Verbreitung IR relevanter Fakten, die bereits über klassische Kanäle kommuniziert wurden.

Was passiert, wenn die Financial Community tatsächlich antwortet?
Externe Posts und Kommentare von Anlegern oder Dritten auf einer Social Media Plattform des Unternehmen werden von der FINA nicht als direkte Kommunikation des Unternehmens definiert und unterliegen somit weit weniger strengen Regeln. Dies gilt natürlich nicht, sofern das Unternehmen einen vermeintlich externen Beitrag auf eine Weise forciert oder gar in Auftrag gegeben hat.

Social Media Guidelines und Monitoring empfohlen
Die FINA empfiehlt ausdrücklich die Veröffentlichung von Nutzungsrichtlinien für Investoren und Dritte, sofern sie die Möglichkeit haben, zu posten und zu kommentieren. Die Art und Weise des Screenings (Überwachung) von fremden Inhalten ist auf die zu erwartende Nutzung und Häufigkeit von externen Beiträgen abzustimmen, sodass ein Unternehmen seine Plattformen jederzeit unter Kontrolle hat. Zudem wird eine proaktive Offenlegung der eigenen Richtlinien und der Verantwortung für fremde Beiträge in den Kanälen angeraten.

Keine Praktikanten als Social Media Manager
Die FINRA betont: Unternehmen müssen angemessene Maßnahmen und Verfahren entwickeln, die sicherstellen, dass die in Social Media aktiven Personen nicht nur überwacht werden, sondern auch über die notwendige Ausbildung verfügen, um ihre Aktivitäten nicht zu unangemessenen Risiken für Investoren werden zu lassen. Außerdem müssen Policies vorliegen, die die geschäftliche Kommunikation außerhalb der vom Unternehmen gewünschten und überwachten Plattformen verbietet. Zudem müssen Unternehmen sicherstellen, dass ausschließlich Mitarbeiter mit angemessenem Bewusstsein für die Funktionsweisen und Risiken der interaktiven elektronischen Kommunikation eingesetzt werden.

Regulierung in Deutschland sollte nachziehen
In meinen Augen wird erneut deutlich, dass die USA Deutschland in den Online Investor Relations weit voraus sind. Dort etabliert sich eine intensive Nutzung von Social Media im Rahmen der Online IR und Genehmigungsbehörden veröffentlichen derartige Mitteilungen und Empfehlungen zum adäquaten Umgang mit dieser neuen Art des Investoren-Dialoges. Die Empfehlungen betreffen jedoch nicht den beobachtbaren Output in Form von Veröffentlichungen. Sinnvoller Weise spricht die FINRA im Zusammenhang mit Social Media auch Anforderungen an geschultes Personal sowie verbindliche Social Media Guidelines an, um bereits im Vorfeld das Risiko mangelhaften Outputs zu minimieren. Auch für den Umgang mit Beiträgen Dritter auf eigenen Plattformen (das ist vielleicht der größte Brocken, den „alt eingesessene“ IR Manger erst einmal verdauen müssen) gibt es Regeln.

Eine solch fortgeschrittene und detaillierte Regulierung gibt es in Deutschland bisher nicht. Vielmehr kommt es hierzulande immer noch vor, dass sämtliche Social Media Kommunikation von ungeschulten und häufig wechselnden Praktikanten übernommen wird und Unternehmen bei unangenehmen Nachfragen und Kommentaren über diese Kanäle unangemessen reagieren. Unter diesen Voraussetzungen ist es nur verständlich, dass IR Verantwortliche bisher große Vorbehalte gegen den offenen Dialog über die Sozialen Medien haben.

Nach meiner Auffassung ist in Deutschland am ehesten die BaFin oder auch die DVFA als Berufsverband der Investment Professionals in Deutschland gefordert, für ein geordnetes Finanzsystem im Web 2.0 zu sogen. Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!

Social Media Web Sites-Guidance on Blogs and Social NetworkingWeb Sites


[1] Die Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) (http://www.finra.org/AboutFINRA/) ist als Genehmigungsbehörde in den USA verantwortlich für die Beaufsichtigung von Personen, die in der Wertpapierbranche involviert sind. Die amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) hat der FINRA diese Verantwortlichkeit zugeschrieben. Die FINRA ist eine sich selbst regulierende Organisation und damit keine direkte Behörde der Regierung.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 2. März 2011 | Abgelegt unter Online Investor Relations,Rechtliche Vorschriften | 2 Kommentare