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Märkte sind Gespräche – auch in den Investor Relations

„Ein kraftvolles globales Gespräch hat begonnen. Über das Internet entdecken und gestalten die Menschen neue Wege, um relevantes Wissen mit rasender Geschwindigkeit auszutauschen. Als direktes Resultat werden die Märkte intelligenter — und sie werden schneller intelligent als die meisten Unternehmen.“

Es ist wirklich erstaunlich, dass diese Zeilen und die gesamten 95 Thesen des Cluetrain-Manifestes (englisch) (deutsch) bereits  vor zwölf Jahren verfasst wurden (zu Zeiten des „Jahrzweitausend-Problems“). Das „cluetrain manifesto“ ist der Titel einer sehr weitsichtigen Sammlung von Thesen über das Verhältnis von Unternehmen und ihren Kunden im Zeitalter des Internets und der New Economy. Sie wurde 1999 (zu Hochzeiten des Dotcom-Booms) von den US-Amerikanern Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger veröffentlicht und ist heute ein Meilenstein der Internetgeschichte. Dass es später einmal wirklich so kommen würde wie im Cluetrain-Manifest proklamiert, ahnte damals, als es den Begriff Social Media noch gar nicht gab, kaum jemand. Heute reden alle von Social Media und die allermeisten Thesen treffen immer noch zu.

Das Cluetrain-Manifest - www.online-investorrelations.de

Das Cluetrain-Manifest über die Investor Relations
Zu Recht wird das Cluetrain-Manifest auch in heutigen Texten und Büchern über Internet und Social Media noch zitiert. Wahrscheinlich findet es auch in meiner Arbeit seinen Platz in den Fußnoten, da die Investor Relations in mehr als nur der ersten These („Märkte sind Gespräche“) adressiert werden:

64: Wir möchten Einblick haben in eure Unternehmensinformationen, in eure Pläne und Strategien, eure besten Gedanken und euer echtes Wissen. Mit der Vier-Farb-Broschüre und einem hochglanz Internet-Auftritt ohne jegliche Substanz geben wir uns nicht zufrieden.

68: Der aufgeblasene, wichtigtuerische Jargon, den ihr verbreitet — in der Presse, auf euren Konferenzen — was hat der mit uns zu tun?

69: Vielleicht könnt ihr damit eure Investoren beeindrucken. Vielleicht beeindruckt ihr die Wallstreet. Uns beeindruckt ihr jedenfalls nicht damit.

70: Wenn ihr uns nicht beeindruckt, werden eure Investoren baden gehen. Verstehen die das nicht? Wenn sie es verstünden, würden sie euch nicht so reden lassen.

71: Eure gelangweilten Abhandlungen über den „Markt“ nerven uns. Wir erkennen uns in euren Projektionen nicht wieder — vielleicht weil wir wissen, daß wir bereits ganz wo anders sind.

72: Wir mögen diesen neuen Marktplatz viel mehr. In Wahrheit erschaffen wir ihn.

83: Wir möchten, dass ihr uns 50 Millionen genauso ernst nehmt wie einen Reporter vom Wall Street Journal.

Radikale Idee des Internets
Nun möchte ich natürlich nicht jeden Investor Relations Manager abqualifizieren, der gerade eine Vier-Farb-Broschüre zum Unternehmen in Auftrag gegeben hat (die wird es sicherlich auch weiterhin geben). Ich finde die 95 Thesen vielmehr geeignet, um ein Extrakt der radikalen Idee des Internet aufzuzeigen, die damals geboren wurde und die heute unter anderem durch Social Media bereits zu großen Teilen Realität geworden ist. Kernfragen von Märkten, Gesprächen und Beziehungen geht das Cluetrain-Manifest streitbar an und zeigt mit mehreren Thesen direkt auf die Gespräche zwischen Unternehmen und Investoren. Für mein Verständnis gehört das Cluetrain-Manifest daher zur Grundbildung im Bereich Online Investor Relations.

 

Übrigens: Wie damals über das revolutionäre Manifest gedacht wurde, gibt sehr schön der brand eins Artikel „Miteinander Reden“ der Ausgabe 03/2000 wieder.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 21. März 2011 | Abgelegt unter Quellen | Keine Kommentare

Best-Practice: Investor Relations Webseiten 2010

Investoren und Anleger nutzen die Investor Relations Webseite eines Unternehmens intensiv. Analysen der auf IR Erhebungen spezialisierten Rivel Research Group haben für den US-amerikanischen Markt ergeben, dass mehr als 75 Prozent der institutionellen Investoren und Analysten die für sie relevanten Unternehmenswebseiten wöchentlich besuchen. Außerdem nutzen mehr als 95 Prozent der Finanzjournalisten die Unternehmenswebseite und Investor Relations Webseite, um an Informationen über das Unternehmen zu gelangen, über das sie berichten. Inhaltlich und technisch optimal gestaltete und auf die Zielgruppen zugeschnittene IR Webseiten gehören für große börsennotierte Unternehmen inzwischen zum kommunikativen Standard.

Das in den USA für Beratung und Umsetzung im Bereich Online IR bekannte Unternehmen Q4 Web Systems hat am 13. Januar 2011 ein 84 Seiten starkes Whitepaper veröffentlicht: „IR Website Best Practices Winter 2011“. Es kann nach einer Registrierung kostenlos als PDF heruntergeladen werden.

In diesem aktuellen Grundlagendokument zeigt Q4 Web Systems auf, wie Unternehmen ihren Investor Relations Webauftritt verbessern können und betont dabei natürlich die eigenen Online Kompetenzen und zeigt teilweise Kundenreferenzen.

Die moderne Investor Relations Webseite
Eine Best-Practice IR Webseite bietet heute deutlich mehr als den Aktienkurs, ein Pressearchiv und PDF Dokumente als Zweitverwertung des gedruckten Geschäftsberichtes (Die NetFederation hat für diese Art Webseite den passenden Ausdruck „PDF-Friedhof“ erfunden). Sie hält vielmehr Hintergrundinformationen, Unternehmenseinblicke und interaktive Tools für unterschiedliche Investorengruppen bereit und bietet Ausblicke und Prognosen zur zukünftigen Geschäftsentwicklung. Q4 betont den Wert von Branchenanalysen, Positionsbestimmungen des Unternehmens sowie die Darstellung wertschöpfender Strategien, die glaubhaft machen, dass das Management und das gesamte Unternehmen das Vertrauen der Investoren und Analysten verdienen. Unter anderem empfehlen die Berater ausdrücklich den Einsatz von Social Media und multimedialen Formaten.

Die sechs wichtigsten Leitsätze für eine Best-Practice IR Webseite:

1. Verschaffen Sie Investoren einfachen Zugang zu Inhalten und Informationen

2. Vermitteln Sie ein überzeugendes Investitionsangebot

3. Verwenden Sie Datenformate, die Investoren einladen und einbinden

4. Seien Sie leicht zu erreichen und bieten Sie mehrere Kontaktmöglichkeiten an

5. Bieten Sie nützliche und zielgruppengerechte IR-Tools und Informationspakete

6. Legen Sie Wert auf Social Media Kanäle und arbeiten Sie mit multimedialen Inhalten

Zielgruppen der Online IR
Das Whitepaper unterscheidet grundsätzlich drei Typen von Investoren, die die IR Webseite nutzen: Potenzielle Investoren (zukünftige Anleger), Neue Investoren und treue Investoren (die seit langer Zeit Aktien besitzen). Es liegt nahe, dass diese unterschiedlichen Benutzer über sehr unterschiedliches Vorwissen verfügen und entsprechend unterschiedliche Informations- und auch Navigationsanforderungen an die Webseite haben. Zu diesem Aspekt, wie auch jedem weiteren, zeigt Q4 mehrere Praxis-Beispiele von Unternehmen mit ihren Lösungen auf der IR Webseite. Dank eingebetteter Links gelangt der Leser des Whitepaper mit einem Klick zu den erwähnten Best-Practice Seiten und kann sich selbst ein Bild machen. Die Empfehlungen können meiner Meinung nach ohne Weiteres auf börsennotierte Unternehmen in Deutschland übertragen werden, da es lediglich um die ansprechende Darstellung von Inhalten sowie die Usability (Benutzerfreundlichkeit) der IR Webseite geht und nicht um Anforderungen an Publizitätspflichten.

Social Media und IR Webseiten
Sofern ein Unternehmen IR relevante Informationen auch über Social Media Kanäle anbietet, sollten diese Kanäle auf der Webseite übersichtlich zusammengefasst werden. Die Ford Motor Company beispielsweise fasst ihre Accounts auf Twitter, Youtube, Flickr, Facebook, Delicious usw. unter der Überschrift „Follow the Story“ prominent in einem Infokasten der Seitenspalte zusammen. Andre Unternehmen, wie beispielsweise PPG Industries, zeigen diese Kontaktmöglichkeiten sogar dauerhaft auf der gesamten Unternehmenswebseite.

Dies macht es den Benutzern einfach, sich mit dem Unternehmen auf Twitter, Facebook, YouTube, SlideShare etc. zu verbinden. Auch kann sich der Benutzer leicht für E-Mail Alerts registrieren und unterschiedliche RSS-Feeds abonnieren.

Einbindung von Social Media auf der IR Webseite

Einbindung von Social Media auf der IR Webseite

In der Aggregation von Social Media Kanälen auf diese Weise sehe ich weitere Vorteile:

  1. Die Verlinkung der Unternehmenswebseite (mit einem üblicherweise hohen Page-Rank) wirkt sich positiv auf das Ranking und damit die Auffindbarkeit der einzelnen Kanäle aus.
  2. Ein Teil der Benutzerströme wird auf die Social Media Kanäle gelenkt und beschleunigt dort den Friends/Follower-Aufbau.
  3. Der Social Media affine Benutzer nicht lange suchen und auch der weniger interessierte Benutzer erlebt das Unternehmen mit seine Webpräsenz mutmaßlich am Puls der Zeit (Imageeffekt).

Als Beispiele für eingebettete Social Media Inhalte nennt Q4 Fotos (Flickr), Präsentationen (SlideShare) und Videos. Bei den Videos finde ich interessant, dass nicht nur (wie sonst oft standardmäßig) Youtube, sondern Vimeo als Plattform genannt wird. Das 2004 gegründete US-amerikanische Videoportal für nicht-kommerzielle Videos gewinnt auch in Deutschland langsam an Bedeutung. Videos dürfen bei Vimeo ausschließlich von Personen hochgeladen werden, die an der Produktion wesentlich beteiligt waren und die Plattform besitzt hierzulande bislang ein etwas besseres Image als das zum Teil doch recht trashige Youtube.

Anregungen und Tipps für IR-Manager
Im Grunde präsentiert das Whitepaper lediglich eine Sammlung gelungener IR Webseiten. Jedoch ist gerade das vermutlich besonders hilfreich für Investor Relations Verantwortliche, die für ihre eigene IR Webseite über die Zeit etwas „betriebsblind“ geworden sind. Zudem entwickeln sich die Webtechnologie und Verbreitungen von neuen Formatstandards enorm schnell weiter, sodass die beste IR Webseite ohne ständige Anpassung und Weiterentwicklung spätestens nach drei Jahren komplett veraltet.

Die gezeigten Praxisbeispiele machen außerdem Spaß, weil sie den IR Bereich der Unternehmenswebseite nicht als lästige Pflicht kommunizieren. Sie stellen vielmehr die Kompetenzen und Stärken der Unternehmen überzeugend dar und runden dieses positive Bild mit innovativer Online Technik ab.Best-Practice Investor Relations Webseiten 2010

Quelle: Q4 Web Systems Blog


Geschrieben von Andreas Köster am 15. Januar 2011 | Abgelegt unter Best-Practice,Online Investor Relations | Keine Kommentare