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Standard: DVFA-Grundsätze für Effektive Finanzkommunikation

Die DVFA-Grundsätze für Effektive Finanzkommunikation wurden im Jahr 2006 den deutschen und  europäischen Kapitalmärkten vorgestellt. Investoren, Finanzanalysten und Investor Relations-Professionals begrüßten die Grundsätze, die inzwischen als Industriestandard für zielgruppengerechte Finanzkommunikation gelten. Gefördert hat dies auch der Deutschen Investor Relations Verband (DIRK), der die Definition der Grundsätze begleitet und bei seinen Mitgliedsunternehmen für Aufmerksamkeit und Akzeptanz gesorgt hat.

Die DVFA-Grundsätze der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management[1] beschreiben verschiedene Erwartungen von institutionellen Anlegern und Finanzanalysten an die Finanzkommunikation von Unternehmen und stellen dar, wie Abweichungen von diesen Erwartungen unter Umständen vom Kapitalmarkt interpretiert werden können. Die Grundsätze verstehen sich als Empfehlungen für Unternehmens-Vorstände, IR-Manager und interessierte Kreise. Ich selbst würde mich den interessierten Kreisen zuordnen und verwende die DVFA-Grundsätze als bedeutenden Quasi-Standard wahrscheinlich in meiner Masterarbeit für die theoretischen Grundlagen der IR in Deutschland. Ich denke, zusammen mit den Grundsätzen der Investor Relations nach DIRK hätte die Arbeit damit schon mal eine grundlegende Definition von „guter IR Kommunikation“ bezogen auf Deutschland.

 

DVFA grundsaetze_effektive_finanzkommunikation

DVFA Grundsätze effektiver Finanzkommunikation, Quelle: www.dvfa.de

Eine Effektive Finanzkommunikation beruht laut DVFA auf der Glaubwürdigkeit des Managements von Unternehmen und glaubwürdig vorgetragener Kommunikation. Auf diesem Fundament steht die Zielgruppenorientierung, welche die Kapitalmarktorientierung und die Gleichbehandlung aller Kapitalmarktteilnehmer vorschreibt. Den zweiten Ast der Grundsätze bildet die Transparenz, welche insbesondere von der Wesentlichkeit und Nachvollziehbarkeit der Informationen abhängt. Der Dritte Ast adressiert die zeitliche Dimension effektiver Finanzkommunikation: Kontinuität. Durch Aktualität und Vergleichbarkeit sowie einem vorausschauenden Erwartungsmanagement ist es möglich, Investment Professionals Orientierung zu geben.

Kann Social Media die Gleichbehandlung fördern?
Momentan sehe ich den Grundsatz der Gleichbehandlung als besonders relevant für Social Media in den Investor Relations. Es ist wohl unbestritten, dass faktisch eine Informationsasymmetrie zwischen privaten Kleinanlegern und institutionellen Investoren besteht, die es eigentlich nicht geben darf, denn „Allen Kapitalmarktteilnehmern werden grundsätzlich inhaltlich gleichwertige Informationen zur Verfügung gestellt“.

Ein Negativ-Beispiel für eine nicht optimal gestaltete Kommunikation bezüglich der Empfehlung lautet beispielsweise: „Auf der Analystenkonferenz eines Unternehmens in London sind Präsentationsfolien enthalten, die den Kollegen auf den in Deutschland stattfinden Veranstaltungen nicht vorgelegt werden. Begründet wird dies damit, dass angelsächsische Investoren ausführlichere Informationen erwarten als kontinentaleuropäische.“ Jeder Investor, egal wo er sich befindet, sollte die Möglichkeit haben, besagte Präsentation einzusehen. Dies ist dank Online IR leicht möglich.

Präsentationen von Analystenkonferenzen könnten einfach auf der IR-Webseite zum Download angeboten und zusätzlich auch bei Slideshare über einen Unternehmensaccount hochgeladen werden. Slideshare bietet eine besonders nutzerfreundliche Bedienung, teilen/weiterleiten Funktionalitäten und eine automatische Textausgabe zur besseren Auffindbarkeit im Internet.

Ein weiterer Leitsatz der Gleichbehandlung ist: „Wesentliche Informationen werden nicht nur über selektive Kanäle bekannt gegeben.“

Als Beispiel hierfür werden Artikel in spezialisierten Branchenzeitschriften und Zeitungsinterviews eines Vorstands genannt, in denen wichtige strategische Themen behandelt werden. „Das heißt mitnichten, dass ein Vorstand von solchen Interviews absehen soll. Vielmehr halten wir es für angebracht, dass solch herausgehobene Interviews auf der Internetseite des Unternehmens zeitgleich zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus sollten die großen Informationsdienste aktiv auf die Interviews hingewiesen werden.“ An dieser Stelle wäre ein einfach zu pflegendes IR-Blog des Unternehmens von Vorteil. Hier könnte auf den Artikel hingewiesen und verlinkt werden. Ein Blog ist auch optimaler Ausgangspunkt für die Verbreitung in weitere Social Media Kanäle wie Twitter oder Facebook. Der Erscheinungszeitpunkt des Artikels könnte auf den Erscheinungspunkt der Zeitung bzw. Zeitschrift abgestimmt werden. Automatisiert würde der Hinweis dann zeitgleich in verschiedene Kanäle übertragen und wäre von RSS-Feed-Readern und Benachrichtigungsdiensten wie Google Alerts leicht auffindbar.

Die Frage ist, ob die DVFA mit „großen Informationsdiensten“ ausschließlich kostenpflichtige PR-Dienstleister meint. In den USA verlieren momentan genau diese zum Teil sehr kostenintensiven Dienstleister an Bedeutung für die Investor Relations, da Unternehmen wie beispielsweise Google beginnen, ihre Nachrichten selbst zu verbreiten.

Was ist mein Fazit zu den DVFA-Grundsätzen im Hinblick auf meine Arbeit?
Ich werde die Grundsätze für Effektive Finanzkommunikation der DVFA mit theoretischen Grundsätzen und Möglichkeiten der Sozialen Medien vergleichen. Beim Lesen sind mir bereits etliche Praxisbeispiele für eine die Grundsätze unterstützende Anwendung von Social Media eingefallen. Die Erfahrung, dass man mit Social Media auch effektiv kommunizieren kann, habe ich selbst gemacht. Dies muss ich in der Arbeit dann natürlich nachvollziehbar in einem theoretischen Gerüst darstellen und kritisch prüfen.

Wikipedia Artikel Ziel

Übrigens: Die DVFA scheint Social Media nicht grundsätzlich abgeneigt zu sein, wie eine Fußnote im Dokument zeigt, welche die deutsche Wikipedia verlinkt. Leider ist es kein Permalink, sodass die aktuelle Seite wohl erheblich von der Version 2006 abweicht ;)

PDF DVFA Grundsätze effektiver Finanzkommunikation



[1] Die DVFA ist der Berufsverband der Investment Professionals. Aktuell gehören ihm 1.100 persönliche Mitglieder an, die als Fach- und Führungskräfte bei Investmenthäusern, Banken sowie Fondsgesellschaften oder als unabhängige Kapitalmarktdienstleister tätig sind. Die DVFA sichert die Glaubwürdigkeit der Berufsangehörigen und die Integrität des Marktes durch Aus- und Weiterbildung, die Bereitstellung von Plattformen für die professionelle Finanzkommunikation sowie durch effektive Selbstregulierung.

 


Geschrieben von Andreas Köster am 18. Januar 2011 | Abgelegt unter Finanzkommunikation,Organisationen,Quellen | Keine Kommentare

Grundsätze der Investor Relations nach DIRK

Relative weit vorne in der Masterarbeit werde ich kurz die theoretischen Grundlagen von Social Media und Investor Relations aufarbeiten. Dazu gehören ohne Zweifel Definitionen zu Zielen, Aufgaben und Möglichkeiten. In Deutschland sind die „Grundsätze der Investor Relations“ nach DIRK das Maß der Dinge in IR. Hier die sechs Grundsätze mit einer verkürzten Erklärung von mir:

  1. Sachlichkeit, Glaubwürdigkeit, Zeitnähe: Um das Vertrauen des Kapitalmarktes zu bewahren und zu stärken, müssen alle Informationen sachlich richtig, verlässlich, fair, offen und zeitnah erfolgen.
  2. Wesentlichkeit und Vollständigkeit: Nur Informationen veröffentlichen die im Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit oder dem Geschäftserfolg eines Unternehmen stehen. Vollständigkeit ist wichtig für richtige Einschätzung des Unternehmenswertes.
  3. Kontinuität, Stetigkeit, Vergleichbarkeit: Informationen sollten kontinuierlich erfolgen, unabhängig von der aktuellen Geschäftslage des Unternehmens. Das Vertrauen der Investoren gilt es zu erhalten und zu stärken. Inhaltlich sollte Stetigkeit in Form und Umfang der Veröffentlichungen erkennbar sein. Der Vergleich zu früheren Unternehmensdaten muss möglich sein.
  4. Zukunftsorientierung: Bedeutet quantitative und qualitative Informationen zur mittel- und langfristigen Markt- und Unternehmensentwicklung zu geben. Besonders interessant für den Kapitalmarkt sind Aussagen, die Schlüsse über zukünftigen Geschäftserfolg ermöglichen.
  5. Gleichbehandlung: Alle Teilnehmer des Kapitalmarktes werden zeitlich und inhaltlich gleich behandelt. Dies ist Voraussetzung um Vertrauen im Kapitalmarkt zu schaffen.
  6. Keine Weitergabe oder Ausnutzung von Insiderinformationen: IR-Beauftragte sind Insider. Sie dürfen Insider-Informationen nicht weitergeben oder nutzten. Teilnehmer des Kapitalmarkts dürfen bei Unternehmensgesprächen und -präsentationen keine Insiderinformationen erhalten.Grundsätze der Investor Relations nach DIRK - online-investorrelations.de

Hier sehe ich eine breite Schnittmenge zu den theoretischen Möglichkeiten von Social Media, zu deren Kerneigenschaften meiner Meinung nach Zeitnähe, Kontinuität, Gleichbehandlung und breite Informationsstreuung gehören. Dies ist natürlich noch wissenschaftlich zu überprüfen.

Geschrieben von Andreas Köster am 16. November 2010 | Abgelegt unter Organisationen,Quellen | 4 Kommentare