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Elektronischer Geschäftsbericht reicht aus – Papierform ist nicht vorgeschrieben

Das Instrument der Online Investor Relations gewinnt auch in Deutschland weiter an Bedeutung. Das sieht man unter anderem an der Form des „Flaggschiffes“ der IR, dem Geschäftsbericht. Dieses Vorzeigestück ist oft mehrere hundert Seiten stark, aufwändig gestaltet und auf hochwertigem Papier gedruckt – kostet jedoch auch dementsprechend viel. Meiner Einschätzung nach ist es jedoch für Aktiengesellschaften nicht gesetzlich erforderlich, den im Geschäftsbericht enthaltenen Jahresfinanzbericht in Papierform bereitzustellen.

Elektronischer Geschäftsbericht reicht aus – Papierform ist nicht vorgeschrieben

Bestimmte Rechte vorbehalten von azza-bazoo (Flickr)

Gedruckter Jahresfinanzbericht ist fakultativ
Zunächst ist grundsätzlich Paragraph § 325 „Offenlegung“ des Handelsgesetzbuches (HGB) relevant, der vorschreibt, dass Kapitalgesellschaften den Jahresabschluss beim elektronischen Bundesanzeiger elektronisch einzureichen haben. Die Rechnungslegungsunterlagen sind lediglich in einer Form einzureichen, die ihre elektronische Bekanntmachung ermöglicht, womit wohl keine Papierform gemeint ist.

Für börsennotierte Unternehmen ist weiterhin das Wertpapierhandelsgesetz (WpHgG), § 37v „Jahresfinanzbericht“ relevant. Dieser Paragraph besagt jedoch nur, dass das Unternehmen seinen Jahresfinanzbericht „der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“ hat, sowie eine „Bekanntmachung darüber veröffentlichen, ab welchem Zeitpunkt und unter welcher Internetadresse die […]  Rechnungslegungsunterlagen zusätzlich zu ihrer Verfügbarkeit im Unternehmensregister öffentlich zugänglich sind“.

Von einer Pflicht, den Jahresfinanzbericht  neben der digitalen auch in gedruckter Form der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, ist nichts zu finden. Jedoch kann das Bundesministerium der Finanzen laut WpHgG § 37v theoretisch im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Justiz durch Rechtsverordnung nähere Bestimmungen über die Form der Veröffentlichung erlassen. Von einem solchen Erlass ist mir nichts bekannt.

Noch deutlicher besagt das ein FAQ der BaFin zu den §§ 37v ff. WpHG:

Darf der Jahresfinanzbericht der Öffentlichkeit auch anders als über das Internet zur Verfügung gestellt werden?

§ 37v Abs. 1 S. 2 WpHG erfordert eine Hinweisbekanntmachung mit Angabe der genauen Internetadresse, unter der der Jahresfinanzbericht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Daraus folgt, dass eine Zurverfügungstellung über das Internet erfolgen muss. Zusätzlich sind auch andere Verbreitungswege möglich, aber nicht gefordert.

Ressourcen der Investor Relations umverteilen
Meinem Eindruck nach, hat der Print-Geschäftsbericht im Vergleich zu vor einigen Jahren deutlich an Bedeutung eingebüßt. Investoren und Analysten werden sich kaum stundenlang Zeit nehmen, um sich die „Hochglanz-Eigendarstellung“ des Unternehmens zu Gemüte zu führen. Haben sie früher vielleicht noch die Zahlen auf den letzten Seiten herausgetrennt und gelesen, legen sie heute vermutlich mehr Wert auf eine flexible HTML-Darstellung auf der IR-Webseite mit entsprechenden Darstellungsmöglichkeiten und Exportfunktionen beispielsweise in Excel. Finanzjournalisten recherchieren eher in anderen Quellen und lediglich um private Investoren mit dem Druckwerk zu beeindrucken, ist es doch vergleichsweise teuer.

Ich bin weder Wirtschaftsjurist noch Investor, doch aus kommunikativer Sicht, sollten die Investor Relations Verantwortlichen effizient und an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppen orientiert arbeiten. Dies würde bedeuten die IR-Instrumente dementsprechend permanent anpassen.

Geschrieben von Andreas Köster am 7. Juni 2011 | Abgelegt unter Investor Relations,Online Investor Relations,Rechtliche Vorschriften | 2 Kommentare