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Die Sozialen Medien im Web 2.0 – „Emergenz digitaler Öffentlichkeiten“

„Das Internet selbst ist mittlerweile ein ganz anderes Netzwerk als noch zur Jahrtausendwende. Das Internet wurde, das kann man ohne Übertreibung sagen, im Lauf der letzten Jahre tatsächlich noch einmal neu erfunden – und als Web 2.0 in seiner Rolle für die Beförderung sozialer Interaktion noch einmal neu entdeckt. Wenn das Internet eine Medientechnik darstellt, die immer schon potentiell interaktiv ist, so realisieren sich unter dem Titel Web 2.0 innerhalb des Internet Medien, für die Interaktivität kein Potential, sondern eine conditio sine qua non, eine notwendige Bedingung ihrer Existenz ist.“

Dieser Ausschnitt aus Stefan Münkers 2009 im Suhrkamp Verlag erschienenem Buch „Emergenz digitaler Öffentlichkeiten – Die Sozialen Medien im Web 2.0“ gefällt mir besonders gut – und fasst zwei Hauptaussagen seines Essays zusammen. Emergenz ist, so weiß Wikipedia, die spontane Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen auf der Makroebene eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente. Dabei lassen sich die emergenten Eigenschaften des Systems nicht – oder jedenfalls nicht offensichtlich – auf Eigenschaften der Elemente zurückführen, die diese isoliert aufweisen.

Ist das Web 2.0 die real gewordene Utopie einer demokratischen Umnutzung der Massenmedien, und damit der mediale Baustein einer neuen Form gesellschaftlicher Öffentlichkeit? Oder ist es nur ein phantastisches Geschäftsmodell? Dies ist die Hauptfrage, um die es sich dreht.

Ich habe heute die 144 Seiten des kleinen Büchleins mit Freude gelesen. Münkers gibt darin nicht nur einen kurzen Überblick über die Erfolgsgeschichten sozialer Dienste wie Twitter, Wikipedia und Youtube. Er beleuchtet Social Media aus der Perspektive berühmter Kommunikationswissenschaftler und Philosophen: Anstatt bei Tim O´Reilly beginnt er bei Kant, Adorno, Luhmann und Habermas. Dabei ist das gesamte Buch trotz vieler Thesen und Modelle kurzweilig und eingängig geschrieben. Zwar werde ich es nicht direkt für meine Masterarbeit gebrauchen können, doch konnte Stefan Münkers eindrucksvoll belegen: „Web 2.0 ist mehr als ein Schlagwort – es ist das Symbol für eine ebenso radikale wie unaufhaltsame Veränderung nicht nur unserer Medien, sondern unserer Welt.“

Emergenz digitaler Öffentlichkeiten - Die Sozialen Medien im Web 2.0

 

Münker, S. (2009)
Emergenz digitaler Öffentlichkeiten – Die Sozialen Medien im Web 2.0
1. Auflage, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M., 978-3-518-26026-5

Geschrieben von Andreas Köster am 8. März 2011 | Abgelegt unter Quellen,Social Media | 1 Kommentar