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Ad-hoc-Meldungen in den Investor Relations

Um Insiderhandel mit Aktien zu verhindern und sicherzustellen, dass sämtliche Marktteilnehmer über  die gleichen Informationen als Entscheidungsbasis verfügen, regelt das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) in Deutschland die Ad-hoc-Publizitätspflicht. Ziel ist es, über Ad-hoc-Meldungen die Informationen möglichst allen Marktteilnehmern zur gleichen Zeit zugänglich zu machen.

Die Verpflichtung zur Ad-hoc-Publizität entsteht, wenn eine Insiderinformation vorliegt. § 15 WpHG verpflichtet ein Unternehmen in diesem Fall zur sofortigen Veröffentlichung der Tatsachen, die den Börsenkurs der Wertpapiere erheblich beeinflussen bzw. bei Schuldverschreibungen die Fähigkeit des Unternehmens, seinen Verpflichtungen nachzukommen, beeinträchtigen können.Ad-hoc-Meldungen in den Investor Relations - www.online-investorrelations.de

Bei diesem Aufgabengebiet der Investor Relations kommt es demnach auf eine umgehende und flächendeckende Information des Finanzmarktes an. In der Schnelligkeit und der weiten Verbreitung sehe ich Parallelen zu Social Media, die in diesem Anwendungsfall eventuell sinnvoll eingesetzt werden könnten. Um mit einer ersten Prüfung dieses Ansatzes zu beginnen, möchte ich mir im Folgenden kurz anschauen, in welchen konkreten Fällen des Unternehmensalltages eine solche Ad-hoc-Publizität verpflichtend wird.

Der Emittentenleitfaden der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) (Stand 28. April 2009) sieht auf den Seiten 56 und 57 in den folgenden Fallkonstellationen erhebliches Preisbeeinflussungspotenzial gegeben, so dass sich grundsätzlich die Frage der Veröffentlichung einer Ad-hoc-Meldung stellt:

  • Veräußerung von Kerngeschäftsfeldern, Rückzug aus oder Aufnahme von neuen Kerngeschäftsfeldern,
  • Verschmelzungsverträge, Eingliederungen, Ausgliederungen, Umwandlungen, Spaltungen sowie andere wesentliche Strukturmaßnahmen,
  • Beherrschungs- und/oder Gewinnabführungsverträge,
  • Erwerb oder Veräußerung von wesentlichen Beteiligungen,
  • Übernahme- und Abfindungs-/Kaufangebote,
  • Kapitalmaßnahmen (inkl. Kapitalberichtigung),
  • wesentliche Änderung der Ergebnisse der Jahresabschlüsse oder Zwischenberichte gegenüber früheren Ergebnissen oder Marktprognosen,
  • wesentliche Änderung des Dividendensatzes,
  • bevorstehende Zahlungseinstellung/Überschuldung, Verlust nach § 92 AktG/kurzfristige Kündigung wesentlicher Kreditlinien,
  • Verdacht auf Bilanzmanipulation, Ankündigung der Verweigerung des Jahresabschlusstestats durch den Wirtschaftsprüfer,
  • erhebliche außerordentliche Aufwendungen (z. B. nach Großschäden oder Aufdeckung krimineller Machenschaften) oder erhebliche außerordentliche Erträge,
  • Ausfall wesentlicher Schuldner,
  • Abschluss, Änderung oder Kündigung besonders bedeutender Vertragsverhältnisse (einschließlich Kooperationsabkommen),
  • Restrukturierungsmaßnahmen mit erheblichen Auswirkungen auf die künftige Geschäftstätigkeit,
  • bedeutende Erfindungen, Erteilung bedeutender Patente und Gewährung wichtiger (aktiver/passiver) Lizenzen, maßgebliche Produkthaftungs- oder Umweltschadensfälle,
  • Rechtsstreitigkeiten von besonderer Bedeutung,
  • überraschende Veränderungen in Schlüsselpositionen des Unternehmens (z. B. Vorstandsvorsitzender, Aufsichtsratsvorsitzender, überraschender Ausstieg des Unternehmensgründers),
  • überraschender Wechsel des Wirtschaftsprüfers,
  • Antrag des Emittenten auf Widerruf der Zulassung zum organisierten Markt, wenn nicht noch an einem anderen inländischen organisierten Markt eine Zulassung aufrecht erhalten wird,
  • Lohnsenkungen oder Lohnerhöhungen, die nur den Emittenten betreffen,
  • Beschlussfassung des Vorstandes, von der Ermächtigung der Hauptversammlung zur Durchführung eines Rückkaufprogramms Gebrauch zu machen.

Einschränkend weist die BaFin darauf hin, dass es keinen allgemein verbindlichen und vollständigen Katalog publizitätspflichtiger Insiderinformationen gibt. Sämtliche Beispiele können daher nur als Empfehlung verstanden werden. Sie sind also nicht dahin gehend zu verstehen, dass bei ihrem Vorliegen automatisch eine Eignung zur erheblichen Preisbeeinflussung besteht. Die Emittenten haben genau zu prüfen,ob im Einzelfall eine zu veröffentlichende Insiderinformation vorliegt.

Bis hierhin denke ich, dass sich die Ad-hoc-Publizität im Vergleich zur Regelpublizität in Bezug auf die sinnvollen und notwendigen Verbreitungswege nicht erheblich unterscheidet. Auch der Unterschied, dass einzelne Informationen einer Ad-hoc-Meldung vermutlich deutlich weniger Umfang besitzen als eine umfassende Regelpublizität, spielt meines Erachtens keine Rolle. Es besteht in beiden Fällen die grundsätzliche Frage der Relevanz von Social Media. Eventuell leuchtet ein Beispiel zur praktischen Anwendungsmöglichkeit von Social Media in den Investor Relations dennoch eher im Rahmen einer Ad-hoc-Publizität als im Rahmen der Regelpublizität ein.

Geschrieben von Andreas Köster am 2. Januar 2011 | Abgelegt unter Investor Relations,Rechtliche Vorschriften | 1 Kommentar