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Social Media auf der Hauptversammlung der Daimler AG

Wie schon in 2011 begleitete die Daimler AG auch ihre Hauptversammlung 2012 auf Social-Media-Kanälen. Uwe Knaus, Manager Corporate Blogging & Social Media Strategy Communications der Daimler AG, war so nett, mir einige Fragen zu beantworten. Das folgende Interview hilft eventuell anderen Aktiengesellschaften und zeigt, wie eine HV durch Social-Media-Kommunikation unterstützt werden kann.

1. Welche Social-Media-Kanäle hat die Daimler AG begleitend zur Berichterstattung der Hauptversammlung am 4. April 2012 genutzt?

Seit 2010 nutzen wir hauptsächlich Twitter, Twitpic und YouTube, um von unserer Hauptversammlung zu berichten. Twitter für Kurzmeldungen, Twitpic für Fotos und YouTube für Bewegtbildimpressionen. Bei Twitter haben wir zwei Kanäle. Den @Daimler-Kanal nutzen wir, um von größeren Events live zu berichten. Dazu zählen große Automobilmessen, aber auch die Jahrespressekonferenz oder die Hauptversammlung. Einen Tag vor der Veranstaltung kündigen wir die bevorstehende Aktivität an, am Veranstaltungstag wird in Echtzeit getwittert und am Ende gibt es dort meist eine Zusammenfassung in Form eines kurzen Videos, gefolgt von einem Abschluss-Tweet, der das Ende des Dialogs markiert. Dieser @Daimler-Kanal ist während der Veranstaltung dialogorientiert und geht dementsprechend auch auf Fragestellungen zu dieser ein. Sollten Fragen nicht sofort beantwortet werden können, werden diese spätestens am Vormittag des darauffolgenden Tages beantwortet. Da das 140-Zeichen-Limit auf Twitter eine ausführliche Beantwortung nicht zulässt, nutzen wir Posterous, indem wir dort ein ausführliches Q&A online stellen.

Darüber hinaus gibt es einen ständigen @Daimler_News-Kanal, auf dem wir Neuigkeiten von uns – beispielsweise Pressemitteilungen, Blogbeiträge oder Unternehmenspräsentationen auf Slideshare – veröffentlichen. Dies geschieht automatisiert über RSS-Feeds. Zusätzlich gibt es noch „handverlesene“ Daimler-News aus den Medien über unser Unternehmen. Dieser Push-Kanal dient dem Corporate Publishing und ist deshalb nicht interaktiv. Die Rede und die Präsentation von Dieter Zetsche zur Hauptversammlung sind auf unserem Slideshare-Kanal zu finden. Auf YouTube gibt es die oben angeführten Impressionen und eine Zusammenfassung der Rede des Vorstandsvorsitzenden.

Daimler Hauptversammlung auf twitpic.com

2. Wie würden Sie die Zielgruppen beschreiben, für die Sie Social Media in dieser Art und Weise einsetzen?

Mit unseren Social Media-Aktivitäten wollen wir diejenigen ansprechen, die diese Medien bevorzugt nutzen und dort mit anderen Gleichgesinnten vernetzt sind – diejenigen, die sich für Daimler und seine Themen interessieren. Angefangen vom (potentiellen) Kunden, über den Mitarbeiter, bis hin zum Privataktionär; sämtliche Stakeholder sind willkommen. Wir konzentrieren uns dadurch nicht nur auf die klassische Zielgruppe der Investoren und Analysten, sondern sprechen alle an. Letztlich kann ja in Social Media jeder öffentlich, und für Dritte nachvollziehbar, Beiträge und Meinungen über den Unternehmenswert, den Geschäftsverlauf oder Wirtschaftsprognosen publizieren. Spezifische Foren und Diskussionsgruppen finden sich zunehmend im Netz. Der Einfluss der klassischen Analysten und Finanznachrichten sinkt damit. Eine Konzentration auf diese originären Gatekeeper würde deshalb zu kurz greifen.

Dabei ist für uns die Reichweite und das pure Bereitstellen von relevanten Informationen nicht der treibende Faktor, vielmehr geht es um die Herstellung von Transparenz, teilweise aber auch um die sichtbare Verankerung von Kommunikationskompetenz im Social Web – was sich am Ende wieder auf die gesamte Online-Reputation auswirkt.

3. Die Daimler AG ist für fortschrittliche Investor-Relations-Kommunikation auch über die Social Media bekannt. Wie war dieses Mal das unmittelbare Feedback?

In erster Linie ist eine Hauptversammlung eine Präsenzveranstaltung für Aktionäre der Daimler AG. Die Nutzung von Social Media dient lediglich als Ergänzung zu klassischen Kommunikationsmaßnahmen und nimmt momentan noch einen geringen Anteil ein. Insgesamt waren 5.700 Aktionäre und 300 geladene Gäste bei der diesjährigen Hauptversammlung.

Für diejenigen, die nicht vor Ort sein konnten, wurde die Eingangsreden via Livestream über die Daimler-Webseite übertragen. Die Corporate Website ist und bleibt auch in Zeiten des Social Webs der zentrale Dreh- und Angelpunkt für Online Investor Relations. Darüber hinaus twitterten wir ungefähr 30 Meldungen während des öffentlichen Teils, worauf wir 54 @Replies und Retweets bekamen. Wir posteten zudem 16 Fotos, die innerhalb der ersten 24 Stunden insgesamt 1.500 mal geklickt wurden und offerierten am Ende den interessierten Usern ein Video mit Impressionen der Veranstaltung.

4. Wie werden IR-Veranstaltungen der Daimler AG in Zukunft medial begleitet und welche Rolle werden Social Media dabei spielen?

Momentan eignen sich Social-Media-Anwendungen eher für Informationen und den Dialog mit privaten Anlegern und Multiplikatoren für Wirtschafts- und Finanzthemen, weniger hingegen für die Kommunikation mit institutionellen Investoren. Das liegt jedoch nicht an dem mangelnden Engagement der Kommunikationsverantwortlichen, sondern mehr an der starken Reglementierung der Finanzkommunikation zwischen den Unternehmen und seinen Investoren. Aber auch hier wird sich ein Wandel vollziehen, dem wir aktiv begegnen werden. Wir sind sicher, dass auch die Online-IR als neuer Kommunikationskanal zunehmend an Bedeutung gewinnen wird und werden daher unsere jetzigen Instrumente nicht nur beibehalten, sondern weiter optimieren.

Wichtige IR-Events wie die Veröffentlichung der wesentlichen Ergebnisse des Gesamtjahres bzw. der Quartale oder auch Investorentage, wie jüngst in Ungarn, begleiten wir jedoch heute schon mit Live-Audio-Webcasts der Vorträge des Top-Managements und stellen dazu die Handouts über unsere Website und Slideshare zur Verfügung.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 16. April 2012 | Abgelegt unter Aktuelles,Best-Practice,Investor Relations,Slideshare,Twitter,Youtube | Keine Kommentare

Video: Wie Social Media die Investor Relations verändern

Anlässlich der Social Media Week 2012 diskutierten im Februar Unternehmen und Agenturen, in wieweit das Social Web die Investor-Relations-Kommunikation beeinflusst. Howard Lindzon ist Mitgründer und CEO von Stocktwits und moderierte die halbstündige Diskussion.

Friederike Edelmann, IR-Mangerin bei SAP, spricht sich darin für eine Gleichbehandlung aller Investoren aus, soweit dies technisch und praktisch möglich ist. Neben den vorgeschriebenen Veröffentlichungswegen werden Investor Relations relevante Meldungen bei SAP daher auch über Nachrichtenagenturen und über Twitter verbreitet. Herausforderungen stellen dabei zum einen die Einhaltung einer „One-Voice-Policy“ dar. Aber auch die immer noch existierende „alte Kommunikationswelt“ mit vielen älteren Investoren jenseits der 80 macht es den IR-Managern nicht leicht. Hier werden teilweise E-Mails genutzt, teilweise jedoch noch Anfragen in Form von handgeschriebenen Briefen an die IR-Abteilung gesendet. Das verdeutlicht die enorme Bandbreite von Kommunikationskanälen, die eine Investor-Relations-Abteilung heute abdecken muss.

 

Weitere Aspekte der Diskussion sind:

Zunahme von IR2.0: In den USA nutzen immer mehr IR-Abteilungen Social Media als Kanal für ihre Finanzkommunikation. Twitter, Stocktwits, Linkedin und Co. gehören mehr und mehr zur Normalität im Investor-Relations-Alltag. (Bei jeder Meldung wird beispielsweise zusätzlich ein entsprechender Tweet inklusive Stocktwits-Kürzel abgesetzt.) Das merken auch Dienstleister und Agenturen, die ihr Angebots-Portfolio aufgrund der steigenden Nachfrage in diesem Bereich immer mehr ausbauen.

Klassischen Gatekeeper fallen: Gab es vor einigen Jahren lediglich eine Hand voll Finanznachrichtenagenturen, gibt es heute alleine 160 Millionen Blogs, die als potenzielle Informationsmittler fungieren können. Der letzte Bereich der externen Unternehmenskommunikation, der von Social Media erobert wird, ist IR. Dies ist ein andauender Prozess, bei dem keine klassischen IR-Instrumente ersetzt, sondern lediglich ergänzt werden.

„Genie is out of the bottle”: Das Social Web ist Realität und greift immer mehr um sich. Die Investor Relations haben keine anderen Wahl, als sich intensiv damit zu beschäftigen und Social Media Schritt für Schritt in ihre Strategie zu integrieren. Darin sind sich alle Diskutanten einig.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 11. März 2012 | Abgelegt unter Aktuelles,Finanzkommunikation,Social Media,Stocktwits,Twitter | Keine Kommentare

Twitter-Hedgefonds setzt erfolgreich auf allgemeine Stimmungslage

Der im Sommer 2011 gestartete „Twitter-Hedgefonds“ von Derwent Capital vereint offensichtlich erfolgreich Geld und Psychologie. Er macht sich die durch die US-amerikanischen Forscher Johan Bollen, Huina Mao und Xiao-Jun Zeng erstmalig bewiesenen statistischen Zusammenhänge zwischen dem Börsenkurs des Dow Jones Industrial Average (DJIA) und der allgemeinen Stimmungslage auf Twitter zunutze.

Twitter-Fonds arbeitet profitabel
Laut Financial News arbeitete der Fond im ersten Monat (Juli 2011) profitabel und legte 1,85% an Wert zu, was die Börsencommunity aufhorchen ließ. Diese Steigerung ist besonders erstaunlich, weil der S&P 500 Index im selben Monat um 2,2% nachgab. Neuere Zahlen wurden seitdem nicht veröffentlicht.

Studiendesign zur Vorhersage von Börsenkursen mit Hilfe von Twitter

Studiendesign zur Vorhersage von Börsenkursen mit Hilfe von Twitter

Twitter-Stimmung sagt Börsenkurs voraus
In ihrer bereits im Oktober 2010 veröffentlichten Studie „Twitter mood predicts the stock market“ legen die drei Wissenschaftler ihr Studiendesign umfassend dar. Zuerst sammelten sie knapp 10 Millionen englischsprachige, zufällig ausgewählte Tweets von ca. 2,7 Millionen Usern. Bemerkenswert ist, dass keinerlei gezielte Auswahl der Tweets stattfand, etwa nach enthaltenen Unternehmensnamen oder Börsenkürzeln. Es handelte sich um ganz allgemeine Nachrichten auf Twitter. Anschließend analysierten Sie diese gewaltige Datenmenge mittels zweier Tools hinsichtlich ihrer Stimmung/Tonalität. Das erste Tool heißt OpinionFinder und unterteilt die Tweets lediglich in positive und negative Tonalität. Das zweite Tool ist der Google-Profile of Mood States (GPOMS) das sechs unterschiedliche Stimmungsdimensionen analysiert (Calm, Alert, Sure, Vital, Kind, Happy). In dieser Untersuchung konnte nachgewiesen werden, dass der Algorithmus tendenzielle Kursentwicklungen mit einer durchschnittlichen Wahrscheinlichkeit von 88% vorhersagen konnte.

 

Mögliche Auswirkungen auf die Investor Relations
Der Twitter-Hedgefonds mag sich zwar noch in einem experimentellen Stadium befinden und hat sich noch nicht langfristig bewähren können, doch zeigt er eindrucksvoll, welche Bedeutung die Social Media für die Investor Relations in Zukunft erlangen könnten. Ohne Kontrollmöglichkeiten der Unternehmen können massenhafte Daten aus dem Social Web zusammengetragen, ausgewertet und für Spekulationen analysiert werden. Der Börsenwert wäre in diesem Fall demnach unter anderem vom allgemeinen Stimmungsbild im Social Web abhängig.
Einen Schritt weiter geht die Plattform TweetTrader, die Tweets Unternehmensbezogen analysiert und steigende bzw. fallende Kurse über positive bzw. negative Erwähnungen in Tweets vorhersagt. Ebenfalls in einem frühen Entwicklungsstadium, zeigt doch auch diese Plattform die Zukunft der Investor Relations. Unternehmen werden das Social Web nicht nur immer stärker passiv überwachen und „zuhören“, sondern vermutlich auch mehr und mehr selbst dort aktiv werden. Sie sollten versuchen, nicht nur bei institutionellen Investoren, sondern auch in der Breite des Social Web die Stimmung im grünen Bereich zu halten.

TweetTrader analysiert Tweets über börsennotierte Unternehmen

TweetTrader analysiert Tweets über börsennotierte Unternehmen

 

Update 3. Juli 2012: Nach weniger als 12 Monaten schließt Derwent Capital Markets den weltweit ersten Twitter Fonds bereits wieder. Wie Institutional Investor berichtet, gibt es in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise offenbar zu große Bedenken gegenüber innovativen und risikoaffinen Investitionen.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 15. Januar 2012 | Abgelegt unter Finanzkommunikation,Online Investor Relations,Social Media,Studien,Twitter | 2 Kommentare

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