Archiv für die Kategorie 'Twitter'

Du suchst im Moment im Archiv von Online Investor Relations.

Wie Analysten und Investoren Social Media nutzen – Brunswick Umfrage 2012

Brunswick Research hat bereits zum dritten Mal die Nutzung von Social Media durch die Zielgruppe der Analysten und Investoren per Umfrage erhoben. Die Auswertung zeigt einen erheblichen Bedeutungszuwachs dieser Medien als Informationsquelle für die Financial Community. Insbesondere die Twitter-Nutzung hat gegenüber 2010 deutlich zugenommen.

Social Media als entscheidende Informationsquelle
Über die Hälfte (52%) der Investoren lesen laut der Untersuchung Blogs, ein Viertel (24%) ist in Social Networks wie LinkedIn oder Facebook aktiv und 30% nutzen Twitter. Als schnelle Informationsquelle hat Twitter im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2010 mit 19% Nutzungszuwachs am stärksten zugelegt.

Doch die Erhebung fragt Investoren nicht nur nach ihrer Nutzung, sondern auch, welche konkreten Handlungen sie aufgrund von Informationen aus den Social Media ergriffen haben. Es wird deutlich, dass Twitter immer öfter ausschlaggebend für eine Analyse oder gar eine konkrete Investitionsentscheidung ist: 28% der Analysten und Investoren stiegen durch eine Information auf Twitter in eine Recherche ein und 12% handelten aufgrund dieser.

Wie Analysten und Investoren Social Media nutzen - Brunswick Umfrage 2012

 

Eigene Aktivität der Investoren steigt ebenfalls
Neben der passiven Nutzung stieg auch die aktive Nutzung, also das Veröffentlichen von eigenen Beiträgen und Kommentaren, auf sämtlichen abgefragten Plattformtypen. So posten immerhin 11% aller Befragten selbst auf Blogs, 4% in Foren und 10% in Social Networks. 8% aller befragten Investoren twittern mittlerweile. Neben der reinen Weiterverbreitung von Unternehmensinformationen kann angenommen werden, dass eigene Kommentare, Einschätzungen und Bewertungen dieser Zielgruppe auf den entsprechenden Plattformen zu finden sind.

Studie - Aktive und passive Nutzung von Social Media durch Investoren und Analysten

 

Klassische Informationskanäle bleiben entscheidend
Die Studie stellt in vorbildlicher Weise die Relationen zwischen der Bedeutung klassischer und „neuer“ Medien her. So veranschaulicht sie, dass Social Media in der Gesamtbewertung der Investoren zur Verfügung stehenden Informationskanäle nach wie vor lediglich eine untergeordnete Rolle spielen. Mit einem One-on-One, einer Telefonkonferenz oder Unternehmensmeldung können sie nicht konkurrieren. Sie können diese jedoch sinnvoll in ihrer Verbreitung unterstützen und ergänzen.

Nach der zukünftigen Bedeutung von Blogs, Social Networks und Twitter für die tägliche Investment-Arbeit gefragt, sehen über die Hälfte (56%) eine weitere Zunahme. 24% sind sich unsicher, wie die Entwicklung weitergehen wird und nur 6% glauben an einen Bedeutungsrückgang. Es ist also absehbar, dass auch die nächste Brunswick Umfrage über eine steigende Bedeutung für die Investor Relations berichten wird.

Details zur Befragung
Die Brunswick Investor Use of Digital and Social Media Survey 2012 befragte 476 Personen in den USA, Europa und Asien per Online-Fragebogen in dem Zeitraum vom 10. Oktober und 4. November 2012. Etwa die Hälfte (52%) der Befragten lässt sich der Sell side, die andere Hälfte (48%) der Buy side zuordnen. Die Befragung wurde in sehr ähnlicher Form bereits 2009 und 2010 von Brunswick durchgeführt.

2012 Brunswick Investor Use of Digital and Social Media Survey from Brunswick Group
Studie der Brunswick Group zur Bedeutung digitaler Medien und sozialer Netzwerke für die Kapitalmarktkommunikation
Bildquelle: obs/Brunswick Group LLP

Geschrieben von Andreas Köster am 3. Februar 2013 | Abgelegt unter Online Investor Relations,Quellen,Social Media,Studien,Twitter | Keine Kommentare

Twitter und Stocktwits in den Investor Relations

Twitter ist die international am häufigsten genutzte Social-Media-Plattform in der Investor-Relations-Kommunikation. Unternehmen nutzen Twitter, um zuvor veröffentlichten Informationen eine größere Reichweite zu verschaffen sowie um live von Hauptversammlung und anderen Veranstaltungen zu berichten. Dabei wird Twitter immer intensiver und professioneller von den Unternehmen eingesetzt.

Dies sind Ergebnisse der neusten Studie von Q4 Web Systems  die die aktuelle Nutzung von Twitter und Stocktwits in der IR-Kommunikation untersucht. Dazu wurden insgesamt 807 Unternehmen untersucht, von denen 789 (98%) einen Twitter-Account betreiben (Anmerkung: Sie wurden leider nicht zufällig sondern willkürlich ausgewählt). Von den untersuchten Unternehmen nutzen 494 (63%) Twitter für Investor Relations relevante Informationen.

Aktuelle Nutzung von Twitter

Die Studie fand weiter heraus, dass 65% der Unternehmen auf ihrer Website auf die Social-Media-Aktivitäten verweisen und verlinken. Ein Drittel von ihnen verfügen sogar über einen Social-Media-Newsroom oder  ähnliche Aggregationsform von externen Social Media Inhalten auf ihrer Website.

Besonders interessant finde ich die Auswertung, welche Inhalte die Investor-Relations-Abteilungen auf Twitter am häufigsten kommunizieren:

  • Teilen von Brancheninformationen aus klassischen Medien sowie von Blogs
  • Fotos und Videos von Konferenzen und anderen Veranstaltungen
  • Links auf Analysten Reports und Handelsdaten
  • Verbreitung von Corporate News wie z. B. neue Produkte oder CSR Informationen
  • Begleitung der Quartalsberichterstattung, beispielsweise in Form von Fragen und Antworten oder Live-Tweeting
  • Live-Berichterstattung von Hauptversammlung, Analysten- und Investoren-Tagen
  • Einbindung und Aktivierung der Follower, beispielsweise über direkte Fragen und direkte Ansprache
  • Verweis auf andere Social-Media-Kanäle (Verknüpfung, cross pointing)

Kurz: Es wird auf Twitter proaktiv alles mit der Financial Community geteilt, was interessiert und die Arbeit für die eigene Recherche reduziert – natürlich nur was bereits öffentlich ist und was keine Insider-Informationen sind.

Aktuelle Nutzung von Stocktwits

Von den untersuchten Unternehmen sind bereits ganze 64% auf der Plattform Stocktwits aktiv. Diese auf dem Twitter-Prinzip basierende und mit Twitter eng verknüpfte Plattform dreht sich ausschließlich um Aktien und Unternehmen und ist insbesondere in den USA sehr erfolgreich. Zusätzlich zu den von Twitter bekannten #Hashtags werden hier Tweets zu Aktien mit einem entsprechenden $Ticker Symbol gekennzeichnet. Unternehmen besitzen einen eigenen Account und kommunizieren direkt und öffentlich mit Analysten und Investoren. Dabei kann optional jeder Stocktwits-Tweet mit einem Klick auch an Facebook, Linkedin und Twitter gesendet werden. Umgekehrt ist es nur registrierten Stocktwits Usern möglich, einen Twitter-Tweet an Stocktwits zu senden, indem das $Ticker Symbol verwendet wird.

BASF IR auf Stocktwits

BASF IR auf Stocktwits

Die Analyse der Unternehmensaktivitäten auf Stocktwits ergab unter anderem folgende Insights:

  • Die passenden #Hashtags und $Ticker Symbole werden von den Unternehmen zielgerichtet eingesetzt, um Informationen optimal zu verbreiten.
  • Live-Tweeting während der Bilanzpressekonferenz und anderen Veranstaltungen wird besonders häufig eingesetzt. Durch viele Tweets und Retweets wird über den „trending ticker“ (ähnlich dem „trendig topic“ bei Twitter) zusätzliche Aufmerksamkeit generiert. Zuvor werden diese Veranstaltungen rechtzeitig angekündigt und beworben.
  • Einbindung von Aktionären und potentiellen Investoren über Q&A Sessions, häufig in Verbindung mit Live-Tweets.
  • Nutzung von Disclaimern und „safe harbors“ in Form von einführenden Tweets und in Form von Texten auf dem Stocktwits Unternehmensprofil.

Die 63-seitige Studie „Public Company Use of Social Media for IR – Part 1 Twitter & StockTwits“ steht zum kostenlosen Download bereit und ist aufgrund ihrer Praxisnähe und der vielen Best Practice Beispiele für IR-Manager sehr empfehlenswert.

Studie - Twitter und Stocktwits in den Investor Relations

Geschrieben von Andreas Köster am 14. Juli 2012 | Abgelegt unter Best-Practice,Investor Relations,Stocktwits,Studien,Twitter | Keine Kommentare

RWE Hauptversammlung mit Online- und Offline-Twitterwall

“VoRWEg” gehen mit Live-Tweets: Während der Hauptversammlung am 19. April 2012 führte das Team der RWE AG den Dialog mit den Aktionären zum ersten Mal aktiv auch auf Twitter (@RWE_AG). Auf einer speziell und erstmals für eine HV eingerichteten Twitterwall konnten alle anwesenden Aktionäre direkt vor Ort, aber auch alle abwesenden Aktieninhaber und an RWE Interessierte, Fragen stellen und Kritik äußern. Twitter-Nutzer konnten sich mit dem Hashtag #rwehv am öffentlichen Dialog beteiligen. An der HV teilnehmende Aktionäre ohne Twitter-Kenntnisse waren eingeladen, offline Tweets per Post-it „abzusenden“.

Stefan Balázs ist seit mehr als zehn Jahren Referent für Interne und Online Kommunikation bei der RWE AG und maßgeblich verantwortlich für diese Art der Nutzung von Twitter – eine kleine Revolution in der Dialogbereitschaft und Social-Media-Nutzung in der Finanzkommunikation. Im Interview erläutert er Hintergründe und Erfahrungen.

Online Zwitscherwand zur RWE Hauptversammlung 2012

Online Zwitscherwand zur RWE Hauptversammlung 2012

 

Herr Balázs, die intensive und in dieser Form noch nicht dagewesene Einbindung von Twitter während einer Hauptversammlung kann durchaus als mutig bezeichnet werden. Was waren die Idee und das Konzept dahinter? Wie aufwändig waren Planung und Durchführung?

Auf den bisherigen Hauptversammlungen betreute das Online-Kommunikationsteam der RWE AG ein „Internet-Café“, dessen Zielsetzung war, den Besuchern unsere Web-Aktivitäten näherzubringen. Da RWE aber in den vergangenen Jahren verstärkt auch auf Social Media setzt, wollten wir diesem Thema den Vorgang einräumen und unsere Gäste neugierig machen, sie einbeziehen und aktiv teilhaben lassen. Der Erlebnischarakter war dabei ein zentrales Element, da die meisten Besucher unserer Hauptversammlung auf Grund ihrer Altersstruktur nicht der „Generation Internet“ zuzurechnen sind.

Außerdem verstärkt RWE seit Jahren seine Anstrengungen im Hinblick auf Transparenz und offenen Dialog mit allen Interessengruppen. Einen zusätzlichen Schwung erleben wir in dieser Hinsicht nochmals seit dem Start der deutschen Energiewende. Unsere RWE-Zwitscherwand schien uns konzeptionell  ein probates Mittel dieses eigenen Anspruchs und die Fähigkeit zum offenen und breiten Dialog unter Beweis zu stellen. Nachdem das grundsätzliche Konzept stand, gingen Ausarbeitung und Umsetzung sehr zügig. Nach einer Woche war das Produkt „RWE Zwitscherwand“ einsatzfähig. Am Tag der Hauptversammlung gab es für das Team alle Hände voll zu tun, aber das war nicht anders als auf den Hauptversammlungen der Vorjahre.

 

Über einen speziellen Prozess haben Sie gewährleistet, dass nicht nur Tweets von Ihrem Account @rwehv, sondern auch Tweets an die @RWE_AG, Tweets dem Hashtag #rwehv und sogar „offline Tweets“, die Aktionäre vor Ort auf Post-its geschrieben hatten, auf einer zentralen Twitterwall zusammengefasst wurden. Außerdem mussten die Tweets vorher auf eventuellen Spam überprüft werden. Wie haben Sie das gemacht und wie viele Beiträge mussten Sie löschen?

Alle „Offline-Tweets“ wurden von engagierten Team-Kolleginnen abgetippt, in einem extra angelegten Twitter-Account erfasst und auf diese Weise Teil des Streams. Zwischen dem Eingang aller Meldungen und der Ausgabe auf der Twitterwall lag ein Redaktionstool, dass unsere Online-Agentur entwickelt hat. Es ist webbasiert, so dass ein „Redakteur“ – der „wall-jockey“ sozusagen – hätte überall sitzen können. In unserem Fall saß die Person im Pressezentrum, um bei kritischen Themen Rücksprache mit den Pressesprechern halten zu können. Das Tool sammelt alle in Frage kommenden Beiträge aus Twitter in einer Datenbank und der Redakteur klickt dann einen „grünen Knopf“ zum Veröffentlichen auf der Twitterwall oder einen „roten Knopf“, um den Beitrag von der Wall fernzuhalten – ganz einfach.

Insgesamt wurde über 550 Mal der „grüne Knopf“ gedrückt. Es wurden fast alle Offline-Tweets aus der Veranstaltungshalle (321 von 330) übernommen und lediglich zwei Beiträge von anderen Twitterern blockiert. Die Besucherbeiträge, die nicht übernommen wurden, waren unverständlich oder zusammenhangslos. Die zwei Beiträge aus anderen Twitter-Accounts hatten eindeutig politischen Parolen-Charakter und waren daher nicht Meinungsbeiträge, sondern reine Stimmungsmacherei. In der Auswertung haben wir festgestellt, dass  wir diese zwei Tweets aber hätten zulassen können, denn sie wären leicht als Beiträge, die nichts mit dem laufenden Dialog zu tun hatten, zu identifizieren gewesen. Wir haben viele Meinungsbekundungen von Usern auf die Wall genommen, die nicht die Position des Konzerns wiedergaben. Genau das war ja Teil des offenen und transparenten Dialogs, den wir uns gewünscht hatten.

Workflow Chart zur HV-Twitterwall

Workflow Chart zur HV-Twitterwall

 

Wie würden Sie die Beteiligung der Aktionäre und der Twitter-Community beschreiben? Um welche Themen und Inhalte hat sich der Dialog gedreht, was waren Haupt-Themenpunkte?

Mit rund 60% der Beiträge auf der Twitterwall waren die Aktionäre vor Ort sehr rege. Wir sind überzeugt, dass die Möglichkeit, auf der Veranstaltung direkt und öffentlich Feedback geben zu können, sehr gut ankam. Viele Gäste wünschten sich ein generelles Rauchverbot oder kritisierten die „Abgreifer-Mentalität“ anderer Besucher. Aber es gab auch Dank an den derzeitigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Jürgen Großmann, der Ende Juni den Konzern verlässt, und Willkommensgrüße an den zukünftigen RWE-CEO Peter Terium. Und natürlich wünschten sich viele Aktionäre eine höhere Dividende.

Aus der Twitter Community hatten wir mit deutlich mehr Rückmeldungen und Beiträgen gerechnet. Einige Beiträge bezogen sich auf die Protestkundgebung vor der Versammlungshalle. Die größte Gruppe der externen Tweets betraf allerdings das Projekt „RWE-Zwitscherwand“. Man lobte die Idee, die Transparenz und den Einsatz des RWE-Twitterteams. Diese Anerkennung aus der Community hat uns natürlich gefreut. Wir meinen: mit dem Projekt sind wir als Konzern in Social Media „angekommen“.

 

Wie lautet das Fazit von Ihnen und Ihren Kollegen – welchen Unternehmen würden Sie Live-Twittern über Twitterwall auf Hauptversammlungen oder anderen Events empfehlen?

Prinzipiell können wir nach der Erfahrung, die wir gemacht haben, live twittern mit einer Twitterwall empfehlen. Offenheit und Dialog kommen bei allen Beteiligten sehr gut an und als Unternehmen wird man in der Social Media Welt gesehen und gehört. Wir empfehlen dabei grundsätzlich eine redaktionelle Betreuung. Weniger, um unliebsame Meinungen, die im Internet sowieso für jeden nachlesbar sind, fernzuhalten, sondern um das Kapern einer Twitterwall durch Spam auszuschließen.

Wir würden die „RWE Zwitscherwand“ jeder Zeit wieder einsetzen. Aktuell prüfen wir das für eine Reihe von geplanten Sponsoringveranstaltungen. Auf der nächsten Hauptversammlung werden wir bestimmt ebenfalls wieder eine Twitterwall haben. Doch um unsere Gäste vor Ort zu integrieren,  werden wir eine neue, interessante Art der Interaktion nutzen, damit es spannend bleibt… Aber dazu mehr im nächsten Jahr.

Offline Twitterwall zur RWE Hauptversammlung 2012

Offline Twitterwall zur RWE Hauptversammlung 2012

_________________

Stefan Balázs, M.A., geboren 1968, studierte Publizistik, Politik und Soziologie an der FU Berlin, volontierte im Bereich Medienentwicklung der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg und arbeitet seit 1999 als Referent für Interne und Online-Kommunikation bei der RWE AG, Essen. Zu seinem Arbeitsschwerpunkt Online-Kommunikation und Social Media veröffentlicht er regelmäßig Fachbeiträge und nimmt Lehraufträge wahr.

 

Geschrieben von Andreas Köster am 16. Mai 2012 | Abgelegt unter Best-Practice,Investor Relations,Twitter | 2 Kommentare

Nächste Einträge »