Archiv für die Kategorie 'Rechtliche Vorschriften'

Du suchst im Moment im Archiv von Online Investor Relations.

Änderungen im Deutschen Corporate Governance Kodex 2012

Am 15. Mai 2012 wurden von der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex mehrere Änderungen des Kodex beschlossen. Die Komission hatte in 2011 auf Änderungen des Kodex verzichtet, sodass bislang die Regeln aus 2010 galten. Schwerpunkte der nun von den Unternehmen umzusetzenden Kodexänderungen sind die Unabhängigkeit des Aufsichtsrates und die Offenlegung von eventuellen Interessenkonflikten.

Änderungen im Deutschen Corporate Governance Kodex 2012

Der Deutsche Investor Relations-Verband (DIRK) hat in seinem August Newsletter die wichtigsten Änderungen des Deutschen Corporate Governance Kodex, der Vorschläge für eine „gute Unternehmensführung“ in Unternehmen und sonstigen Organisationen beinhaltet, zusammengefasst.

Aufsichtsratsmitglieder müssen Interessenlage offenlegen
Insbesondere die Aufsichtsratsmitglieder der Anteilseigner (der Investoren) sind von den Änderungen betroffen. So muss der Aufsichtsrat beispielsweise bei seinen Wahlvorschlägen an die Hauptversammlung die persönlichen und die geschäftlichen Beziehungen eines jeden Kandidaten zum Unternehmen, Vorstand, Aufsichtsrat, anderen Organen und insbesondere auch zu an der Gesellschaft wesentlich beteiligten Aktionären offenlegen. Eine wesentliche Beteiligung liegt vor, wenn der Aktionär direkt oder indirekt mehr als 10 Prozent der stimmberechtigten Aktien der Gesellschaft hält.

Ferner spielt fortan auch das Thema Nachhaltigkeit im Deutschen Corporate Governance Kodex  (DCGK) eine verstärkte Rolle. So soll die Vergütung von Aufsichtsräten, wenn eine erfolgsorientierte Vergütung gewährt wird, an einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung ausgerichtet werden.

Zusammensetzung und Vergütung des Aufsichtsrates nach DCGK 2012

Zusammensetzung und Vergütung des Aufsichtsrates nach DCGK 2012

 

Entkopplung vom Geschäftsbericht
Zudem gab es verfahrensbezogene Änderungen. Der Corporate Governance Bericht soll fortan nicht mehr im Zusammenhang mit dem Geschäftsbericht, sondern mit der Erklärung zur Unternehmensführung veröffentlicht werden, die im Lagebericht einen eigenen Abschnitt bildet. Ebenfalls werden Teile komplett aus dem Corporate Governance Bericht entfernt. Beispielhaft gilt das für die Bestimmungen zur Erläuterung der Vergütungsstruktur und die Offenlegung  der Gehälter, die nunmehr im Anhang oder im Lagebericht widergegeben werden.

Geänderte Formulierung für unverbindliche Anregungen
In redaktioneller Hinsicht ist zu beachten, dass der Begriff „kann“ für Kodexanregungen gestrichen wurde. Kodexanregungen werden nun ausschließlich mit „sollte“ Formuliert.

Die Empfehlungen des Kodex sind im Text nach wie vor durch die Verwendung des Wortes „soll“ gekennzeichnet. Die Gesellschaften können hiervon abweichen, sind dann aber verpflichtet, dies jährlich offen zu legen und die Abweichungen zu begründen („comply or explain“).

Regierungekommission erweiterte Expertenkreis
Die Kodexänderungen wurden erstmalig nicht allein von der Regierungskommission erörtert, sondern Verbände, Kodexanwender, Juristen und die Wissenschaften erhielten die Möglichkeit, im Rahmen eines Konsultationsverfahrens ihren Standpunkt darzulegen und die Änderungen zu beeinflussen.

Aktuellen Fassung des DCGK: http://www.corporate-governance-code.de/ger/kodex/index.html

Unter diesem Link ist auch eine PDF-Datei des Deutscher Corporate Governance Kodex vom 15. Mai 2012 mit sämtlichen Änderungsmarkierungen zur Version von 2010 zu finden.

________________________

Quelle: dirk.org

 

Geschrieben von Andreas Köster am 14. August 2012 | Abgelegt unter Aktuelles,Investor Relations,Rechtliche Vorschriften | 2 Kommentare

@Mr.Disclosure sorgt für Transparenz bei Twitter

Unter Aktienbesitzern befindet sich eine ganze Reihe von aktiven Twitteristi. Sie zwitschern über allerhand und manchmal auch über jene Unternehmen, in die sie investiert haben. Damit diese Tweets vollkommen unverfänglich bleiben und keinen unbemerkt werbenden Eindruck bei den Followern hinterlassen können, hat Andy Cheung den Twitter Bot @MrDisclosure programmiert. Als Twitter Bild hat er dafür einen Weißkopfseeadler gewählt, der zufällig auch Wappentier der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) ist.

@MrDisclosure agiert auf Twitter ähnlich wie eine reale Person und macht mit eindeutigen Tweets darauf aufmerksam, wenn eine Person über ein Unternehmen twittert, in dem sie direkt oder indirekt investiert ist und auf diesen Fakt nicht aufmerksam macht. @MrDisclosure „verlangt“ dann von der mit @Mention angetwitterten Person, zukünftig doch bitte den Hashtag #investor an entsprechende Mitteilungen anzuhängen.

Mr. Disclosure (MrDisclosure) auf Twitter

Obwohl das eingeforderte Vorgehen für Investoren in den USA laut Cheung nicht rechtlich verpflichten ist, finde ich die Idee sehr gut und richtig. Voraussetzung für die Aktivität des Bots ist natürlich eine kleine Datenbank, die dokumentiert, welcher Twitter-Account zu welchem Investoren-Namen und zu welchen investierten Unternehmen gehört. Alles Weitere kann eine Programmroutine automatisiert erledigen. Bislang ist diese Datenbank noch sehr klein, doch jeder kann Cheung über @whereandy weitere Personen und Unternehmen bekannt geben.

Quelle: techcrunch.com

 

Geschrieben von Andreas Köster am 7. Oktober 2011 | Abgelegt unter Aktuelles,Best-Practice,Investor Relations,Rechtliche Vorschriften,Twitter | Keine Kommentare

Elektronischer Geschäftsbericht reicht aus – Papierform ist nicht vorgeschrieben

Das Instrument der Online Investor Relations gewinnt auch in Deutschland weiter an Bedeutung. Das sieht man unter anderem an der Form des „Flaggschiffes“ der IR, dem Geschäftsbericht. Dieses Vorzeigestück ist oft mehrere hundert Seiten stark, aufwändig gestaltet und auf hochwertigem Papier gedruckt – kostet jedoch auch dementsprechend viel. Meiner Einschätzung nach ist es jedoch für Aktiengesellschaften nicht gesetzlich erforderlich, den im Geschäftsbericht enthaltenen Jahresfinanzbericht in Papierform bereitzustellen.

Elektronischer Geschäftsbericht reicht aus – Papierform ist nicht vorgeschrieben

Bestimmte Rechte vorbehalten von azza-bazoo (Flickr)

Gedruckter Jahresfinanzbericht ist fakultativ
Zunächst ist grundsätzlich Paragraph § 325 „Offenlegung“ des Handelsgesetzbuches (HGB) relevant, der vorschreibt, dass Kapitalgesellschaften den Jahresabschluss beim elektronischen Bundesanzeiger elektronisch einzureichen haben. Die Rechnungslegungsunterlagen sind lediglich in einer Form einzureichen, die ihre elektronische Bekanntmachung ermöglicht, womit wohl keine Papierform gemeint ist.

Für börsennotierte Unternehmen ist weiterhin das Wertpapierhandelsgesetz (WpHgG), § 37v „Jahresfinanzbericht“ relevant. Dieser Paragraph besagt jedoch nur, dass das Unternehmen seinen Jahresfinanzbericht „der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“ hat, sowie eine „Bekanntmachung darüber veröffentlichen, ab welchem Zeitpunkt und unter welcher Internetadresse die […]  Rechnungslegungsunterlagen zusätzlich zu ihrer Verfügbarkeit im Unternehmensregister öffentlich zugänglich sind“.

Von einer Pflicht, den Jahresfinanzbericht  neben der digitalen auch in gedruckter Form der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, ist nichts zu finden. Jedoch kann das Bundesministerium der Finanzen laut WpHgG § 37v theoretisch im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Justiz durch Rechtsverordnung nähere Bestimmungen über die Form der Veröffentlichung erlassen. Von einem solchen Erlass ist mir nichts bekannt.

Noch deutlicher besagt das ein FAQ der BaFin zu den §§ 37v ff. WpHG:

Darf der Jahresfinanzbericht der Öffentlichkeit auch anders als über das Internet zur Verfügung gestellt werden?

§ 37v Abs. 1 S. 2 WpHG erfordert eine Hinweisbekanntmachung mit Angabe der genauen Internetadresse, unter der der Jahresfinanzbericht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Daraus folgt, dass eine Zurverfügungstellung über das Internet erfolgen muss. Zusätzlich sind auch andere Verbreitungswege möglich, aber nicht gefordert.

Ressourcen der Investor Relations umverteilen
Meinem Eindruck nach, hat der Print-Geschäftsbericht im Vergleich zu vor einigen Jahren deutlich an Bedeutung eingebüßt. Investoren und Analysten werden sich kaum stundenlang Zeit nehmen, um sich die „Hochglanz-Eigendarstellung“ des Unternehmens zu Gemüte zu führen. Haben sie früher vielleicht noch die Zahlen auf den letzten Seiten herausgetrennt und gelesen, legen sie heute vermutlich mehr Wert auf eine flexible HTML-Darstellung auf der IR-Webseite mit entsprechenden Darstellungsmöglichkeiten und Exportfunktionen beispielsweise in Excel. Finanzjournalisten recherchieren eher in anderen Quellen und lediglich um private Investoren mit dem Druckwerk zu beeindrucken, ist es doch vergleichsweise teuer.

Ich bin weder Wirtschaftsjurist noch Investor, doch aus kommunikativer Sicht, sollten die Investor Relations Verantwortlichen effizient und an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppen orientiert arbeiten. Dies würde bedeuten die IR-Instrumente dementsprechend permanent anpassen.

Geschrieben von Andreas Köster am 7. Juni 2011 | Abgelegt unter Investor Relations,Online Investor Relations,Rechtliche Vorschriften | 2 Kommentare

Nächste Einträge »