Kommunikation mit privaten Investoren – Anlegerstudie 2012

Die Anlegerstudie 2012 untersucht das Informationsverhalten und die Informationsanforderungen von Privatanlegern. Dabei zeigt sich die Wichtigkeit von professionellen Online Investor Relations, da private Anleger das Medium Internet intensiv zur Informationsbeschaffung nutzen. Social-Media-Kanäle werden dagegen bislang nur in geringem Umfang genutzt, was mit dem hohen Durchschnittsalter der privaten Anleger in Deutschland zusammenhängt.

Zielgruppe der Studie
Die Anlegerstudie 2012 hat 530 Privatanleger in Deutschland mit monetärem Engagement in Aktien, Investmentfonds und/oder Unternehmensanleihen per Online-Fragebogen befragt. Die Stichprobenziehung funktionierte dabei über eine aktive Ansprache der Privatanleger über das Internet.

Dass die Studie hier nicht mit einer repräsentativen, zufälligen Stichprobe arbeitet, sondern ausschließlich Onliner befragt, kann als erheblicher Messfehler gesehen werden. Ansonsten ist an der sehr fundierten Studie aus meiner Sicht nichts auszusetzen.

Internet als wichtiges Medium für Anleger
Vor dem Hintergrund der Befragungsart verwundert es nicht, dass 96,1% der befragten Privatanleger das Internet nutzen, um sich über die Unternehmen zu informieren, von denen sie Anlagen halten oder kaufen möchten. Besonders Anlegerforen, online Unternehmenspräsentationen und Online-Wissensportale stehen bei der Informationsbeschaffung dabei hoch im Kurs.

Die Online-Aktivität der Befragten ist überdurchschnittlich: 90,5% sind täglich online und immerhin 14,8% nutzen täglich Social Media. 47,1% gaben dagegen an, Social Media nie zu nutzen. Jüngere Anleger nutzen Social Media weitaus stärker. Beispielsweise nutzen die unter dreißig Jährigen Anleger Social Media zu 94% mindestens wöchentlich.

Nutzung der Online-IR-Angebote von Unternehmen

Demografie und Informationsbeschaffung
Jüngere Anleger unter 40 Jahren nutzen Social-Media-Kanäle bereits aktiv, um sich über ihre Anlagen zu informieren. Microblogging-Seiten werden von ihnen ebenso wie IR-Blogs häufiger zur Informationsbeschaffung genutzt als die Kontaktaufnahme zum Unternehmen via E- Mail und Telefon oder der Austausch mit externen Anlageberatern und Finanzdienstleistern. Bei den älteren Anlegern spielen Social-Media-Kanäle hingegen kaum eine Rolle. Bei ihnen stehen die Print-Publikationen der Unternehmen (z. B. Geschäftsbericht und Aktionärszeitung) im Fokus.

Schaut man sich das Durchschnittsalter der befragten Anleger an, so ist es kein Wunder, dass die Social-Media-Nutzung insgesamt gesehen recht gering ausfällt: Der durchschnittliche befragte Anleger ist 56 Jahre alt.

Social-Media-Nutzung von Privatinvestoren im repräsentativen Vergleich

Absender der Informationen
Sehr sinnvoll ist meiner Meinung nach die grundsätzliche Unterscheidung in der Untersuchung zwischen zwei verschiedenen Absendern der Informationen: Zum einen das Unternehmen als direkter Absender und zum anderen Dritte als indirekte Absender von Informationen. So zeigt sich, dass im Online Bereich die am häufigsten genutzte direkte Informationsquelle der IR-Bereich der Website ist (56,9%), während die am häufigsten genutzte (indirekte) Informationsquelle über dritte kostenfreie Online-Informationsportale darstellen. Diese Unterscheidung ist insbesondere für Social-Media-Kanäle wichtig, da die darüber direkt vom Unternehmen verbreiteten Informationen die gleiche Glaubwürdigkeit besitzen, wie über andere direkte Unternehmenskanäle. Dagegen ist die Glaubwürdigkeit von Informationen Dritter über Social Media genau zu prüfen.

Social-Media-Angebote aus Sicht von Privatanlegern

Anforderungen an Informationsquellen und -aufbereitung
Die Vertrauenswürdigkeit der Informationen ist für die befragten Privatanleger das wichtigste Kriterium überhaupt (83,4%). Von entscheidender Wichtigkeit  ist außerdem, dass sämtliche Informationen kostenlos verfügbar sind (82,9%). Zudem fordern die privaten Investoren die gleichen Informationen zu erhalten, wie institutionelle Investoren und Analysten (80,8%).

Diese Anforderungen können allesamt durch gute Online Investor Relations der Unternehmen erfüllt werden, sofern sie wirklich umfassende Informationen online bereitstellen. Dazu gehören auch sämtliche Dialoge mit institutionellen Investoren und Analysten, die Unternehmen ohne allzu großen technischen Aufwand theoretisch online verfügbar machen könnten.

Rückgrat der Online Investor Relations sollte in jedem Fall eine sehr gute und auf die Bedürfnisse aller Zielgruppen angepasste IR-Website sein. Darauf aufbauend können dann nach und nach auch Social-Media-Kanäle zum Informationsangebot hinzugefügt werden.

Über die Anlegerstudie 2012
Die Anlegerstudie wurde durchgeführt vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig gemeinsam mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. (DSW), der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (SdK) und der Deutsche EuroShop AG. Weitere Informationen sind zu finden unter: http://anlegerstudie.net/

 

Andreas Köster 20. Mai 2012 Online Investor Relations,Quellen,Social Media,Studien Keine Kommentare Trackback URI Kommentare RSS

Einen Kommentar schreiben