Noch ein White Paper zur Social-Media-Strategie für IR

„In einer schnelllebigen Welt mit konstantem Informationsfluss erwarten Investoren binnen Sekunden Antwort auf ihre Fragen – nicht erst nach Tagen. Aktiengesellschaften müssen mehr leisten, als sporadische Pressemitteilungen und quartalsweise Berichterstattungen zu veröffentlichen, um den gestiegen Anforderungen der Investoren nach Informationen gerecht werden zu können. Die Social Media bieten eine passende Plattform, um den Hunger nach individueller Kommunikation stillen zu können. […] Der Schlüssel zur erfolgreichen Implementierung von Social-Media-Strategien ist der gleiche, wie für jede andere Kommunikationsstrategie: Social Media funktionieren, wenn sie konsistent, beziehungsfördernd und mit der gleichen Präzision und Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen genutzt werden, wie alle anderen Kommunikationsplattformen auch.“

Diese Passage des White Papers “Social Media Strategy for Investor Relations” von CCG Investor Relations gefällt mir ausgesprochen gut. Doch nicht allem, was die nach eigenen Worten führende Agentur für strategische Kommunikation und Investor Relations darin schreibt, möchte ich zustimmen.

Social Media Strategy for Investor Relations
Das Paper ist zu weiten Teilen eine Aufbereitung des Q4 Websystems Papers „Public Company Use of Social Media for Investor Relations – Part 2 Facebook“, stellt jedoch auch eigene Ansätze zur Nutzenbeschreibung für die Investor Relations dar:

  1. Die Natur der Social Media fördert den Dialog: Dank Rückkanal und Feedbackmöglichkeiten sowie Abonnement- und Vernetzungsmöglichkeiten kann ein Unternehmen besser mit seiner Investment Community kommunizieren.
  2. Die Technologie ermöglicht höhere Transparenz: Dank elektronischen Veröffentlichungen, besseren Online Investor Relations und der verstärkten Nutzung des Internets werden Informationsasymmetrien zwischen institutionellen und privaten Investoren abgebaut.
  3. Viele Kanäle verstärken die Inhalte: Social-Media-Kanäle erlauben es dem Unternehmen, seine Präsenz in der Financial Community auszudehnen. Sie ermöglichen eine sinnvolle Ergänzung bestehender Investor-Relations-Strategien des Unternehmens.

Diesen Beschreibungen stimme ich allgemein gerne zu. Doch dann kommt die steile These „Social Media is a High ROI Strategy“. Die Kosten für die Einführung von Social Media in den Investor Relations seien vernachlässigbar, da die Plattformen kostenlos sind und die Accounts schnell eingerichtet. Wenn nur das Management stimme, seien die Risiken gering und die Potenziale „nahezu unbegrenzt“. Das hört sich dann doch etwas zu sehr nach „Mit 7 Schritten in den IR-Social-Media-GAU – Schritt 1“ an! Für mein Empfinden ist die allgemeine Unsitte zu beobachten, jeden Ausspruch wie „Social Media ist nahezu für lau zu haben“ mit der Überschrift „Return on Investment“ aufzubauschen. Ich denke, sobald jemand das Buzzword „ROI“ in den Mund nimmt, gehören die Betrachtung der Einnahmeseite und (zumindest eine kleine) Rechnung und ein paar Zahlen in Euro oder Dollar dazu…

Ebay und Twitter in den Investor Relations
Ein Schnitzer, den ich mir kaum erklären kann, ist CCG Investor Relations bei der Einschätzung von Ebay Inc. unterlaufen. „Ebay uses Twitter to reach out to consumers, but does not target investors”, heißt es auf Seite 6 des 37-Seitigen Papers. Dabei ist Ebay das erste Unternehmen weltweit, das Quartalsergebnisse für Investoren getwittert hat und das bereits 2008! Seitdem twittert der Mitarbeiter Richard Brewer-Hay unter @ebayinkblog alles, was irgendwie Investor Relations relevant ist mit großem Erfolg. Nahezu 8.000 Follower und über 400 Listungen weist der Twitter-Pionier heute auf.

5 praktische Schritte um Social Media in den IR einzuführen
Trotz der Kritik lohnt sich ein Blick in das Paper. Es betont beispielsweise die Wichtigkeit einer guten IR-Webseite, die Grundvoraussetzung für ein Social-Media-Engagement ist. Unternehmen, die ihre Hausaufgaben im Web 1.0 nicht gemacht haben, müssen leider sitzenbleiben und dies vor einem Web-2.0-Eintritt nachholen. Auch die obligatorische Social-Media-Policy und das Thema Monitoring werden kurz angesprochen. Die 5 Schritte, um Social Media in den Investor Relations einzuführen, lauten nach CCG Investor Relations wie folgt:

  1. Aufbau und Pflege einer attraktiven Online-Präsenz
  2. Nutzung von Monitoring-Tools, um die Auswirkungen der Aktivität zu evaluieren
  3. Animieren, Teilen und Austauschen mit den Shareholdern
  4. Fokussierte Kampagnen, um Shareholder gezielt anzusprechen
  5. Feedback und Ideen für die zukünftige Kommunikation einholen

Insgesamt ist es in meinen Augen ein weiteres White Paper zu dem Thema, das viele wichtige und pointierte Aussagen jedoch auch einige Schwachstellen besitzt.

Social_Media_in_IR_2-White-Paper CCG IR

 

 

Andreas Köster 17. September 2011 Online Investor Relations,Quellen,Social Media,Studien,Twitter Keine Kommentare Trackback URI Kommentare RSS

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